Rente / 17.11.2017

Rentensystem: DRV kritisiert OECD

Internationale Wirtschaftsorganisation fordert Deutschland auf, sich am britischen Rentenmodell zu orientieren. Deutsche Europa-Vertretung widerspricht.

Brüssel (sth). Kritik an Äußerungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zum deutschen Rentensystem hat die Europa-Vertretung der Deutschen Sozialversicherung geübt. Die Empfehlung des OECD-Experten Mark Pearson, Deutschland solle den Beziehern der höchsten gesetzlichen Renten ihre Alterseinkünfte streichen, gleiche dem Versuch eines willkürlichen Eingriffs, heißt es in einem Bericht des Europa-Rentenexperten Wolfgang Schulz-Weidner in der Rentenversicherungs-Zeitschrift "RVaktuell".

Die OECD kritisiert nach Angaben Schulz-Weidners, es sei in Deutschland "ein Fehler, dass sowohl Arme als auch Reiche in den Genuss der Rente" kämen. Würde man den wohlhabendsten fünf bis zehn Prozent der deutschen Rentner die Rente streichen, hätte man mehr für die Armen, gibt der deutsche Rentenexperte den OECD-Fachmann wieder. Dass aber auch Rentnerinnen und Rentner mit hohen Renten zuvor Beiträge entrichtet haben, falle "dabei unter den Tisch", kritisiert Schulz-Weidner.

Das britische Rentensystem unterscheidet sich grundsätzlich vom deutschen Rentenmodell. Es beruht zwar wie das deutsche auf lohnabhängigen Beiträgen und die Höhe der Rente hängt von der Zahl der Beitragsjahre ab. Die Höhe der gezahlten Beiträge hat in Großbritannien aber – im Gegensatz zu Deutschland – keinen Einfluss auf die Rentenhöhe. Sie beträgt nach einer vollen Erwerbskarriere nach Angaben Schulz-Weidners etwa 6.400 Pfund pro Jahr, bei Neurentnern etwa 8.300 Pfund.

Autorenbild

Autor

Stefan Thissen