Rente / 06.12.2019

Rentenversicherung erzielt Rekordrücklage

Zum Jahresende liegen voraussichtlich 40,7 Milliarden Euro auf den Konten der gesetzlichen Rentenversicherer – 2,5 Milliarden Euro mehr als 2018.

Bild zum Beitrag "Rentenversicherung erzielt Rekordrücklage". Das Bild zeigt Alexander Gunkel, Bundesvorstandsvorsitzender der Deutschen Bank

Alexander Gunkel, alternierender Vorsitzender des Bundesvorstandes der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Berlin (sth). Mit der Rekordrücklage von etwa 40,7 Milliarden Euro wird die Deutsche Rentenversicherung voraussichtlich das laufende Jahr abschließen. Dies entspreche 1,8 Monatsausgaben, erklärte der Bundesvorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung, Alexander Gunkel, am Donnerstag bei der Bundesvertreterversammlung in Berlin. Die Versammlung ist das zentrale "Parlament" aller Rentenversicherungsträger und tagt zweimal jährlich. Nach Gunkels Angaben wird die Rentenversicherung das Haushaltsjahr 2019 voraussichtlich mit einem Überschuss von rund 2,1 Milliarden Euro abschließen. Er kündigte zugleich an, dass das Finanzpolster der Rentenversicherer in den kommenden fünf Jahren bis auf die gesetzlich vorgesehene Mindestrücklage von 0,2 Monatsausgaben zurückgehen werde. "Dies hat vor allem demografische Gründe, denn die geburtenstarken Jahrgänge nähern sich aktuell dem Rentenalter", erklärte Gunkel.

Aufgrund der guten Finanzlage hätte der Rentenbeitragssatz im kommenden Jahr nach früherer Rechtslage von derzeit 18,6 auf 18,3 Prozent gesenkt werden müssen, so Gunkel. Wegen der im vergangenen Jahr beschlossenen Rentenreform – von der Bundesregierung "Rentenpakt" genannt –  dürfe der Rentenbeitrag bis 2025 jedoch nicht unter 18,6 Prozent sinken. Damit soll verhindert werden, dass für die ebenfalls 2018 beschlossene Stabilisierung des Rentenniveaus bei mindestens 48 Prozent nicht zusätzliche Steuermittel benötigt werden. Zudem soll der Beitragssatz bis 2025 die Marke von 20 Prozent nicht überschreiten. Bis 2035 sei allerdings mit einer schrittweisen Erhöhung des Beitragssatzes auf 22,3 Prozent zu rechnen, sagte Gunkel, der im Bundesvorstand der Rentenversicherung die Arbeitgeberseite vertritt.

Rentenniveau sinkt frühestens nach 2025

Das Rentenniveau (es bezeichnet für einen Arbeitnehmer mit 45 Beitragsjahren, der in jedem Jahr das jeweilige statistische Durchschnittsgehalt verdient hat, das Verhältnis zwischen Nettorente und früherem Nettoverdienst, d. Red.) wird laut Gunkel im kommenden Jahr von derzeit 48,2 auf 48,1 Prozent sinken. Ab 2021 werde dann die bis 2025 geltende gesetzliche "Haltelinie" von 48 Prozent wirken. Danach sei nach derzeitigem Recht bis 2035 mit einem weiteren Absinken auf 44,1 Prozent zu rechnen. Das Rentenniveau bleibe damit aber über der bis 2030 geltenden Untergrenze von 43 Prozent, so Gunkel. Eine Rentenkommission der Bundesregierung diskutiert derzeit, wie sich das Rentenniveau nach 2025 entwicklen soll.

Nach Gunkels Worten habe die anhaltend gute finanzielle Lage dazu geführt, dass in den letzten Jahren zahlreiche Leistungsverbesserungen politisch umgesetzt wurden. „Offenbar verleitete das Finanzpolster aber auch dazu, nicht alle diese Maßnahmen sachgerecht zu finanzieren", kritisierte Gunkel. Dies gelte insbesondere für den erfolgten Ausbau der sogenannten Mütterrente, der überwiegend mit Rentenbeiträgen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanziert wurde. Eine solche Fehlfinanzierung dürfe sich bei der geplanten Grundrente nicht wiederholen. "Es darf nicht sein, dass erneut die Beitragszahler zur Finanzierung einer nicht beitragsgedeckten Leistung herangezogen werden", erklärte Gunkel.

Mehr zum Thema:

www.deutsche-rentenversicherung.de

Weitere Informationen zur Bundesvertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung vom 05.12.2019

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Autor

Stefan Thissen