Finanzen / 06.01.2022

Rentenversicherung fordert Klarheit über Zukunft der Riester-Rente

Wie geht es weiter mit der Riester-Rente? Die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund Roßbach erwartet von der neuen Regierung Antworten.

Rentenversicherung fordert Klarheit über Zukunft der Riester-Rente.

Berlin (dpa). Die Deutsche Rentenversicherung hat die Ampel-Koalition zur Klärung der Zukunft der Riester-Rente aufgefordert. Die Koalition aus SPD, Grünen und FDP hatte eine grundlegende Reform des bisherigen Systems der privaten Altersvorsorge angekündigt, aber offengelassen, wie die Menschen künftig konkret vorsorgen können.

„Es gibt Menschen, die sagen: Riester ist für mich eine gute Vorsorge“, sagte die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Für diese Menschen lässt der Koalitionsvertrag offen, wie es weitergeht.“

Roßbach: Bedingungen müssen klar sein

Nach Angaben des Arbeitsministeriums gab es im dritten Quartal 2021 mehr als 16,2 Millionen Riester-Verträge mit staatlicher Förderung in Deutschland. Roßbach sagte, die Riester-Rente werde vor allem von „wichtigen Zielgruppen“ wie Frauen mit Kindern und Personen mit geringem Verdienst genutzt. „Hier lässt der Koalitionsvertrag manche Frage offen.“ Roßbach verwies auf den im Koalitionsvertrag angekündigten Bestandsschutz für laufende Riester-Verträge. „Aber was passiert mit neuen Anträgen? Will man unter den bisherigen Konditionen auch weitere Anträge ermöglichen?“

Roßbach betonte vor allem: „Wichtig ist, dass die Bedingungen klar sind.“ Die rund 16 Millionen Riester-Verträge entsprächen mehr als einem Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung. „Wir merken in unserer Beratung, dass die Menschen viele Fragen zu ihrer Altersvorsorge haben.“

Geld vom Staat für riskantere Anlagen?

Die Rentenversicherungs-Präsidentin sagte: „Offen ist auch: Welchen staatlichen Einsatz soll es künftig für Produkte geben, bei denen – anders als bei Riester-Renten – die eingezahlten Beiträge nicht zu 100 Prozent garantiert werden?“ Die Koalition hatte angekündigt, die gesetzliche Anerkennung privater Anlageprodukte mit höheren Renditen als Riester prüfen zu wollen. Auch das Angebot eines öffentlich verantworteten Fonds zur privaten Altersvorsorge soll geprüft werden.

Die meisten bisherigen Riester-Vorsorger haben einen klassischen Versicherungsvertrag gewählt (mehr als 10,6 Millionen), deutlich weniger etwa die Variante über Investmentfonds oder einen Banksparvertrag. Kritisiert wird das Riester-Konzept unter anderem wegen hoher Abschlusskosten, Vertriebskosten und Verwaltungskosten, die an die Versicherungen und Finanzinstitute gehen. Das mindert die Rendite auf die Dauer deutlich.

Verbraucherzentralen wollen öffentlich organisierten Fonds

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hält die Riester-Rente nicht für zukunftsfähig. Riester brauche „tatsächlich eine Neuregelung“ mit gutem Bestandsschutz, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller, der dpa. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bräuchten ein einfaches, renditestarkes und kostenarmes Altersvorsorge-Produkt.

In anderen Ländern seien in den vergangenen Jahren mit öffentlich organisierten Vorsorgefonds auf Aktienbasis wesentlich bessere Renditen erzielt worden als mit dem versicherungsgestützten Modell der Riester-Rente. Ein öffentlich organisierter Fonds sei das richtige Modell. „Es ist einfacher, es ist renditestärker, es ist kostenärmer.“ Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD), Finanzminister Christian Lindner (FDP) und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) müssten sich zusammensetzen und die Arbeitnehmer in den Mittelpunkt stellen.

Autor

 Deutsche Presseagentur – Themendienst