Finanzen / 05.02.2020

Riester-Rente: Garantie in der Diskussion

Weil die Zinsen im Keller sind, rütteln Versicherungen an der Beitragsgarantie. Der Bund der Versicherten reagiert scharf.

Bild zum Thema: Riester-Rente: Garantie in der Diskussion. Es zeigt einen Bleistift und einen Taschenrechner

Frankfurt am Main (mjj). Ein wichtiges Merkmal der Riester-Rente und der betrieblichen Altersversorgung ist die Beitragsgarantie: Was ein Kunde während der Sparphase eingezahlt hat, soll pünktlich zum Start in den Ruhestand für die Verrentung zur Verfügung stehen. Dabei handelt es sich um eine Bruttobeitragsgarantie: Garantiert wird nur der Erhalt der Einzahlungen plus der staatlichen Förderung, nicht aber eine Verzinsung. Die verspricht der Garantiezins, den Versicherungslösungen für Altersvorsorge zusätzlich anbieten. In der Versicherungsbranche heißt er Höchstrechnungszins. Und der soll nach einem Vorschlag der Deutsche Aktuarvereinigung ab nächstem Jahr für neu abgeschlossene Lebensversicherungen von derzeit 0,9 Prozent auf 0,5 Prozent sinken. 

Im Angesicht dieser Entwicklung und der anhaltenden expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die kaum noch sichere Zinserträge ermöglicht, will der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) die Beitragsgarantie herabsetzen. "Künftig sollen Produkte mit einer einheitlichen gesetzlichen Mindestgarantie von 80 Prozent der Beiträge in der betrieblichen Altersversorgung/Beitragszusage mit Mindestleistung und 80 Prozent der Beiträge und Zuzahlungen bei Riester-Renten jeweils zu Rentenbeginn zum Einsatz kommen können", zitiert das Institut für Finanz- Markt-Analyse GmbH (infinma) in seinem aktuellen Newsletter aus einem Rundschreiben des GDV.

Die Sicht der Versicherungsbranche

Die Versicherungsmathematiker hatten in ihrer Empfehlung zur Senkung des Höchstrechnungszinses auf das schwierige Marktfeld reagiert, das die Versicherer zunehmend belastet. Für ihre Empfehlung hat die Aktuarsvereinigung extra ihre Berechnungsmethode geändert: Anders als in der Vergangenheit orientiert sich die Zinsempfehlung nicht mehr primär an den historischen Renditen europäischer Staatsanleihen mit Top-Rating. "Vielmehr berücksichtigt der neue Höchstrechnungs­zins die künftig realistisch am Kapitalmarkt erzielbaren Renditen der Lebensver­siche­rungs­unternehmen für neu abgeschlossene Verträge. Um diese zu berechnen, wurde ein repräsentatives Neuanlageportfolio eines Lebensversicherers mit konservativer Kapitalanlagestrategie modelliert. Dieses besteht im Wesentlichen aus festverzinslichen Wertpapieren und einem geringen Anteil aus Substanzwerten wie Aktien und Immobilien", so die Versicherungsmathematiker.

Die Empfehlung gilt nur für Neuabschlüsse ab 2021, Garantien in bestehenden Verträgen sind nicht in Gefahr. Letzlich entscheidet das Bundesfinanzministerium über die Festsetzung. Der Bundesrat muss ebenfalls zustimmen. Bislang folgte man allerdings den Empfehlungen der Aktuarsvereinigung.

Scharfe Kritik vom Bund der Versicherten

Der Bund der Versicherten (BDV) sieht in der Aufweichung der Beitragsgarantie eine "Bankrotterklärung der Versicherungswirtschaft". "Mit einer Senkung des garantierten Beitragserhalts wird nur noch ein Verlust garantiert", kritisiert ihr Vorstandssprecher Axel Kleinlein. Er verweist darauf, dass die Versicherer sich bei der Einführung der Riester-Rente für die Einführung des Beitragserhalts einsetzten.

Neben dem Höchstrechnungszins können Kunden auf eine Beteiligung aus Überschüssen hoffen, die die Versicherer am Kapitalmarkt erwirtschaften. Doch Kleinlein ist pessimistisch: "Die desolate Lage der Lebensversicherer gibt derzeit keine Hoffnung auf nennenswerte Überschüsse."

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Autor

Michael J. John