Finanzen / 24.04.2018

Riester-Rente: Vertrag kündigen?

Wer angesichts negativer Schlagzeilen seinen Riester-Vertrag kündigen will, muss einiges beachten. Die wichtigsten Fakten.

Das Image der Riester-Rente hat gelitten in den letzten Jahren: Zu teuer, zu unrentabel, zu wenig für die private Vorsorge. Ob zu Recht oder nicht, wer die Riester-Rente kritisch sieht, will der Vertrag meist kündigen und an sein Geld. Rund um das Thema Riester-Rente im Hinblick auf eine Vertragsauflösung gibt es einiges zu beachten.

Wer seinen Vertrag kündigt oder sich das Kapital aus dem Riester-Vertrag auszahlen lassen will, begeht eine förderschädliche Verwendung. Das gilt auch, wenn Kapital nach dem Tod des Sparers an die Erben ausgezahlt wird. In erster Konsequenz müssen Sparer die gutgeschriebenen Altersvorsorgezulagen und auch die über die Steuererklärung gewährten zusätzlichen Steuervorteile durch den Sonderausgabenabzug müssen zurückgezahlt werden.

Wertsteigerungen müssen zusätzlich versteuert werden

Zuständig für die Rückforderung ist die Zentralstelle für Altersvermögen, die einen Rückforderungsbescheid erlässt – dafür hat sie vier Jahre Zeit, beginnend mit dem Ablauf des Jahres, in dem die Zulage beantragt wurde. Hat ein Sparer also in 2018 eine Zulage beantragt, beginnt die vierjährige Frist Anfang 2019 und endet am 31.12.2022.

In weiterer Konsequenz müssen die im angesparten Kapital enthaltenen Erträge und Wertsteigerungen voll als "sonstige Einkünfte" versteuert werden. Der zu versteuernde Betrag ergibt sich, indem vom geförderten Altersvorsorgevermögen die Eigenbeiträge und die Altersvorsorgezulagen abgezogen werden – der Rest ist dann steuerpflichtig.

Alternative: Ruhen lassen oder Anbieter wechseln

Aber es gibt es eine Alternative, die Sparer nicht um die Zulagen und Steuervorteile bringt: Es ist nämlich keine schädliche Verwendung, wenn sie den Altersvorsorgevertrag ruhen lassen, also kein Geld mehr einzahlen, der Vertrag aber bestehen bleibt. Sparer erhalten dann natürlich keine weiteren Zulagen, weil sie keinen Eigenbeitrag mehr zahlen und damit die Fördervoraussetzungen nicht erfüllen. Aber sie müssen aber bereits gewährte Vorteile auch nicht zurückzahlen.

Ebenfalls unschädlich ist es, wenn sie den Vertrag kündigen wollen, um zu einem anderen Anbieter zu wechseln, beispielsweise von einer Riester-Rentenversicherung oder einem Riester-Banksparplan zu einem lukrativeren zertifizierten Riester-Fondssparplan. Ob Sparer den Anbieter wechseln oder bei ihrem Anbieter nur das Riester-Produkt, spielt dabei keine Rolle.

Weitere Informationen

Auch in anderen Fällen kann die Zentrale Zulagenstellen für Altersvorsorge (ZfA) Zulagen bis zu vier Jahre rückwirkend zurückverlangen. Welche das genau sind und was Sparer beachten können, erklären wir hier: https://www.ihre-vorsorge.de/magazin/lesen/riester-rente-wann-sparer-zulagen-zurueckzahlen-muessen.html 

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Autor

Oliver Mest