Rente / 17.05.2018

Rinderstall versaut die EM-Rente

Nach der Überführung eines Viehstalls ins Privatvermögen gelten daraus resultierende Einkünfte eines Rentners als anrechenbarer Verdienst.

Darmstadt (dpa/lsg). Ein Mann aus dem Kreis Fulda bekommt wegen eines Rinderstalls nicht mehr die volle Erwerbsminderungsrente. Eine Rente wegen voller Erwerbsminderung ist vom Verdienst abhängig und dabei gilt das Einkommenssteuerrecht, wie das Hessische Landessozialgericht in einem am Mittwoch bekannt gewordenen Urteil feststellt. Wird ein Gebäude wie ein Rinderstall aus dem Betriebs- in das Privatvermögen überführt, so gelten die daraus resultierenden Einkünfte als Verdienst, heißt es in dem Urteil. Die Berufung des Urteils wurde nicht zugelassen (Aktenzeichen: L 5 R 256/16).

Ein 1951 geborener Versicherter aus dem Landkreis Fulda erhielt seit Juni 2010 Rente wegen voller Erwerbsminderung. Seit dem Jahr 2009 erzielt er ferner Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft. Seine Pachteinnahmen in Höhe von jährlich rund 3.600 Euro liegen unterhalb der Hinzuverdienstgrenze für die volle Erwerbsminderungsrente. Der Versicherte überführte im Jahr 2012 einen Rinderstall aus seinem Betriebsvermögen in sein Privatvermögen. In der Folge wies sein Einkommensteuerbescheid für das Jahr 2012 Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft von rund 8.000 Euro aus.

Nur Anspruch auf Dreiviertel der Vollrente

Die Deutsche Rentenversicherung stellte daraufhin fest, dass der Versicherte lediglich einen Anspruch auf drei Viertel der Vollrente habe und den überzahlten Rentenbetrag in Höhe von rund 1.000 Euro zurückzahlen müsse. Der Versicherte verwies darauf, dass die aufgrund der Überführung des Rinderstalls erzielten Einkünfte kein Arbeitseinkommen oder eine damit vergleichbare Einnahme seien. Die Richter zweier Instanzen gaben aber der Rentenversicherung Recht. Die Rente wegen voller Erwerbsminderung werde abhängig vom erzielten Hinzuverdienst geleistet. Als Arbeitseinkommen sei grundsätzlich der nach dem Einkommensteuerrecht ermittelte Gewinn aus einer selbstständigen Tätigkeit anzurechnen.

Dem entspreche die im Einkommensteuerbescheid festgestellte Summe der Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb oder selbstständiger Arbeit nach Abzug der Betriebsausgaben. Ob der Versicherte diese Einkünfte durch eigene Arbeitskraft erzielt habe, sei hingegen nicht relevant. Aufgrund der über der Hinzuverdienstgrenze liegenden Einkünfte für das Jahr 2012 habe eine wesentliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse vorgelegen. Daher habe die Rentenversicherung den ursprünglichen Rentenbescheid aufheben und die zu viel erbrachten Leistungen von dem Versicherten zurückfordern können.

Autor

 Deutsche Presseagentur