Finanzen / 20.02.2020

Risikolebensversicherung: Sinnvoll oder überflüssig?

Stirbt ein Elternteil, stehen Hinterbliebene oft vor finanziellen Problemen. Doch es gibt eine Lösung.

Bild zum Thema Risikolebensversicherung: Sinnvoll oder überflüssig? – Junges Paar im Gespräch mit einer Versicherungsberaterin.

Berlin (dpa/tmn). Einige Versicherungen gibt es in den meisten Haushalten in Deutschland – etwa die Haftpflichtversicherung. Darüber verfügten im Jahr 2018 fast 83 Prozent der Haushalte. Das zeigt eine Auswertung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Knapp 81 Prozent hatten 2018 eine Autoversicherung und rund 76 Prozent der Haushalte eine Hausratversicherung. Ebenfalls weit verbreitet waren Rechtsschutz- (rund 46 Prozent) und Unfall- (rund 42 Prozent) sowie Berufsunfähigkeitspolicen (rund 26 Prozent).

Weit seltener schließen Verbraucher eine Risikolebensversicherung ab: Nur rund 17 Prozent der Haushalte verfügten 2018 über eine solche Police. Dabei ist gerade diese Versicherung für viele wichtig: „Sie ist eine günstige Möglichkeit, die eigenen Hinterbliebenen finanziell abzusichern“, sagt Julia Alice Böhne vom Bund der Versicherten.

Sinnvoller Schutz für Familien

Vor allem für Familien lohnt sich der Vertrag. Denn hier sind die finanziellen Folgen besonders stark zu spüren, wenn ein Einkommen durch den Tod eines Elternteils plötzlich wegbricht. Alleinerziehende können mit dieser Versicherung ihre Kinder absichern. „Auch zur Absicherung zwischen Geschäftspartnern kann diese Versicherung sinnvoll sein“, erklärt Böhne.

Wichtig kann der Vertrag ebenfalls für Paare sein, die gemeinsam eine Immobilie kaufen. Denn stirbt ein Partner unerwartet, kann dadurch die ganze Finanzierung zusammenbrechen. Für 45 Prozent der Deutschen zwischen 25 und 60 Jahren, die eine Risikolebensversicherung haben, war der Kauf einer Immobilie der Anlass dafür. Das zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag von CosmosDirekt.

Verträge sind meist erschwinglich

Sorge vor zu hohen Beiträgen muss bei der Risikolebensversicherung niemand haben. Der Schutz ist in der Regel nicht teuer, wie der jüngste Vergleich der Stiftung Warentest zeigt. Die Experten nahmen für die Zeitschrift „Finanztest“ (Heft 02/20) die Tarife von 37 Anbietern unter die Lupe. Ein Ergebnis: Eine Versicherungssumme von 250.000 Euro kann man schon für 20 Euro monatlich bekommen.

Interessant dabei: Die Tester ermittelten große Preisunterschiede bei den Tarifen. Teure Verträge kosteten mitunter fast dreimal so viel wie günstige. Und das, obwohl sich die Bedingungen kaum unterschieden. Auch die günstigen Tarife deckten die entscheidenden Risiken ab.

Wie viel ein Kunde für seinen Vertrag bezahlen muss, hängt von mehreren Faktoren ab – etwa von der Versicherungssumme und der Laufzeit, aber auch von der Gesundheit und dem Alter bei Vertragsschluss. Auch der ausgeübte Beruf und Hobbys können einen Einfluss haben.

Laut Bund der Versicherten liegt die Prämienspanne für einen 35-jährigen Kunden bei einer Todesfallsumme von 200.000 Euro und einer Laufzeit von 25 Jahren zwischen 150 und 1.000 Euro pro Jahr.

Vorerkrankungen können Vertragsabschluss erschweren

Gesunde, junge Kunden dürften in der Regel problemlos einen günstigen Tarif finden. Aber schon ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen, und bei manchen Versicherern können die Beiträge teurer werden.

Versicherer legen laut Stiftung Warentest einen Body-Mass-Index von 20 bis 25 als Normalgewicht an, wobei die Werte mit dem Alter steigen dürfen. Wer sie überschreitet, muss unter Umständen mehr zahlen.

Das gilt auch für Kunden, die schon Vorerkrankungen haben. Oft verlangen die Versicherer dann Risikozuschläge. Manchmal lehnen sie einen Vertragsabschluss sogar komplett ab, zum Beispiel bei bestimmten chronischen Erkrankungen.

Allerdings lohnt sich der Vergleich: Denn jede Versicherung beurteilt ein gesundheitliches Risiko anders. Nach Angaben der Warentester bieten manche Versicherungen sogar an, chronische Krankheiten vom Versicherungsschutz auszuschließen. Dann zahlen die Versicherer nichts, wenn diese Krankheit die Todesursache ist. Eines haben die meisten Verträge gemeinsam: Raucher zahlen mehr als Nichtraucher.

Keine Kündigung bei nachträglicher Gefahrenerhöhung

Auch wenn die Versicherungsbedingungen in der Regel nur wenig voneinander abweichen, sollten Versicherte auf einige Punkte achten: „Hierzu zählt beispielsweise der Verzicht des Versicherers auf sein Kündigungsrecht im Falle einer unverschuldeten Verletzung der vorvertraglichen Anzeigenpflicht oder einer nachträglichen Gefahrenerhöhung“, erklärt Böhne.

Als Gefahrenerhöhung bewerten Versicherer alle Veränderungen, die nach dem Abschluss des Vertrages eintreten und dazu führen können, dass der Eintritt des Versicherungsfalls wahrscheinlicher wird. „Das Auftreten einer neuen Krankheit ist in keinem Fall eine Gefahrenerhöhung“, sagt Böhne.

Riskante Hobbys können Vertrag teurer machen

Wer einen Versicherungsantrag ausfüllt, wird meist auch nach seinen Freizeitbeschäftigungen gefragt. Der Grund: Manche Hobbys wie Motorradfahren, Segeln, Tauchen oder Reiten werden von den Versicherungen als riskant eingestuft.

Laut Stiftung Warentest können dadurch bis zu drei Prozent der Versicherungssumme zusätzlich fällig werden. Allerdings bewerten die Versicherungen das jeweilige Risiko unterschiedlich.

Wichtig in diesem Fall: Wer nach dem Vertragsabschluss seinen Motorradführerschein macht, muss dies unter Umständen dem Versicherer mitteilen. Jedoch nur, wenn dies ausdrücklich als Gefahrenerhöhung in einer Vereinbarung angesehen wird. Böhne erklärt: „Entscheidend sind hier die konkreten Versicherungsbedingungen.“

Weitere Informationen

www.gdv.de
Infos vom GDV über Versicherungsbestand

www.bundderversicherten.de
Infoblatt des BdV zur Risikolebensversicherung (PDF)

www.test.de
Stiftung Warentest: Risikolebensversicherung (tlw. kostenpflichtig)

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst