Rente / 24.04.2018

Roßbach fordert Evaluation der Riester-Reform

Rentenversicherungs-Chefin: Rentenkommission soll auch soziale Sicherung im digitalen Zeitalter angehen.

Berlin (sth). Für eine Überprüfung der Riester-Reform aus dem Jahr 2001 hat sich die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach, in einem Zeitungsinterview ausgesprochen. Bei den Rentenreformen zu Beginn des Jahrhunderts sei die sogenannte Drei-Säulen-Alterssicherung aus gesetzlicher Rente, betrieblicher und privater Altersvorsorge etabliert worden, sagte Roßbach der "Rheinischen Post". "Es wäre an der Zeit, zu evaluieren, wie die Reformen in den drei Säulen gewirkt haben." Zudem halte sie es für sinnvoll, dass sich die von der Bundesregierung geplante Rentenkommission mit der sozialen Sicherung durch Erwerbsarbeit im digitalen Zeitalter befasse, so Roßbach.

Darüber hinaus müsse man einen "gesellschaftlichen Konsens finden, wie eine angemessene Rente aussieht", erklärte die Chefin des größten deutschen Rentenversicherers. Positiv wertete Roßbach den Plan der großen Koalition, die Mindestrücklage in den Kassen der Rentenversicherung anzuheben. Dies wäre aus ihrer Sicht "eine Möglichkeit, um Liquiditätsengpässe während eines Jahres künftig zu vermeiden". In den vergangenen Jahren hatte sich gezeigt, dass die bisherige Mindestrücklage von 0,2 Monatsausgaben – derzeit knapp 4,3 Milliarden Euro – zu gering ist, damit die Rentenversicherung auch bei einer Konjunkturschwankung nicht auf eine Finanzspritze des Bundes angewiesen ist.

Roßbach sprach sich auch dafür aus, die rund 2,8 Millionen nicht obligatorisch abgesicherten Selbstständigen in die Rentenversicherung einzubeziehen. Selbstständige hätten ein erhöhtes "Risiko für Altersarmut" und benötigten im Ater doppelt so häufig Grundsicherung wie Angestellte, sagte die Berliner Rentenversicherungs-Chefin. Eine breite Beteiligung der Selbstständigen am Aufbau ihrer Altersssicherung werde man "nur durch eine Vorsorgepflicht erreichen" können. "Wir könnten Selbstständige mit flexiblen Modellen gut in die gesetzliche Rentenversicherung integrieren", zeigte sich Roßbach überzeugt.

Mehr zum Thema:

www.rp-online.de

Link zum Interview der "Rheinischen Post" mit der Präsidentin der DRV Bund, Gundula Roßbach

Autorenbild

Autor

Stefan Thissen