Rente / 01.06.2018

Roßbach für höhere Grundrente in Ballungsräumen

Weil Wohnen unterschiedlich teuer ist, sollte das auch bei der Grundrente berücksichtigt werden. Rentenversicherung analysiert mit "LEA" Lebensläufe.

Berlin (dpa) Die Menschen in teuren Ballungsräumen müssen nach Ansicht von Rentenpräsidentin Gundula Roßbach mit mehr Unterstützung vor einem finanziellen Abrutschen im Alter geschützt werden als Bürger auf dem Land. So sei der Bedarf an Grundsicherung unterschiedlich, sagte die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Im bayerischen Wald beispielsweise brauchen die Betroffenen im Schnitt mehrere hundert Euro weniger als in München." Dies müsse aus ihrer Sicht bei der von der Koalition geplanten Grundrente berücksichtigt werden.

Grundrente soll zehn Prozent höher ausfallen als Grundsicherung

Die Grundrente soll laut Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) im kommenden Jahr auf den Weg kommen. Sie soll all jenen ein regelmäßiges Alterseinkommen zehn Prozent oberhalb des Grundsicherungsbedarfs garantieren, die 35 Jahre an Beitragszeiten oder Zeiten der Erziehung oder Pflege aufweisen. Roßbach sagte: "Was mich umtreibt, ist, dass es für bundesweite Alterssicherungssysteme schwierig ist, regionale überdurchschnittliche Steigerungen bei der Miete und Unterschiede der Wohnungsmärkte auszugleichen."

Die Unterschiede gingen im wesentlichen auf die unterschiedlichen Wohnkosten zurück. "Menschen jenseits der hochpreisigen Ballungsgebiete werden auskömmlicher von ihrer Alterssicherung leben können", sagte Roßbach. "Dort wo das Wohnen sehr teuer ist, wird es schwieriger."

Der Sozialverband VdK erklärte, mit einer höheren Grundrente lasse sich das Problem steigender Wohnkosten nicht lösen. Eine Freibetragsregelung für die gesetzliche Rente in der Grundsicherung sei der bessere Weg, von dem viele Versicherte mit einem niedrigen Rentenanspruch profitieren könnten.

Verbesserungen bei Erwerbsminderungsrente und für Selbstständige

Insgesamt bezeichnete Roßbach die Rentenversicherung als derzeit gut aufgestellt. "Mehr als 97 Prozent der Älteren können ihr Einkommen selbst bestreiten, weniger als 3 Prozent sind auf Grundsicherung im Alter angewiesen", sagte sie. Aber es gebe besondere Risikogruppen - etwa Erwerbsminderungsrentner. "Für die sind nun weitere Verbesserungen geplant", sagte sie mit Blick auf ein entsprechendes Vorhaben von Union und SPD.

Auch nicht anderweitig verpflichtend abgesicherte Selbstständige seien betroffen, für die die Koalition eine obligatorische Absicherung geplant hat. Auch Langzeitarbeitslose trügen besondere Risiken bei der Rente. "Da muss man sich die Lücken in der Beitragszahlung anschauen." Roßbach kündigte an, solche Risiken genauer zu ermitteln.

Projekt "Lebensläufe und Altersvorsorge"

"Um zu sehen, wer in den kommenden Jahren in die Rentenversicherung hineinwandert, haben wir ein großes Projekt gestartet, LEA, `Lebensverläufe und Altersvorsorge´", sagte sie. Fast 10 000 Menschen habe die Rentenversicherung in Kooperation mit dem Bundesarbeitsministerium befragen lassen. "Wir sehen uns unter anderem die Lebensverläufe und die Anwartschaften in den unterschiedlichen Alterssicherungssystemen an", sagte Roßbach. "Wir erhoffen uns viele gute, fundierte Antworten, auch über die besonderen Risiken, über die Frage, was uns in den nächsten 15, 20 Jahren erwartet."

Rentenkommission gestartet

Diese Woche startete eine Rentenkommission der Bundesregierung. Sie soll bis 2020 Vorschläge machen, wie das Rentensystem in der Zeit nach 2025 gesichert werden kann. Heil will die Vorschläge noch in dieser Legislaturperiode gesetzlich umsetzen. In den kommenden Jahren geht die Generation der Babyboomer schrittweise in Rente, und zugleich werden die Menschen immer älter. Es dürfte also deutlich weniger Beitragszahler, aber mehr Rentner und längere Rentenbezugszeiten geben.

Autor

 Deutsche Presseagentur