Rente / 07.02.2019

Rürup begrüßt Grundrenten-Konzept

Rentenexperte: Der Ansatz des Konzepts ist vernünftig, denn er trägt den geänderten Bedingungen unseres Arbeitsmarkts Rechnung.

Prof. Dr. Bert Rürup, Präsident des HRI

Berlin/Saarbrücken (ots/sth). Der Rentenexperte und ehemalige Wirtschaftsweise Bert Rürup hat die Pläne zur Grundrente von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) im Grundsatz begrüßt. "Der Ansatz dieses Rentenkonzepts ist vernünftig, denn er trägt den geänderten Bedingungen unseres Arbeitsmarkts Rechnung", sagte Rürup der "Saarbrücker Zeitung". Was der Arbeitsminister plane, sei in 29 von 36 OECD-Ländern bereits die Regel. Dort werde die Rente von Geringverdienern "generöser festgesetzt als die von Durchschnitts- oder Besserverdienern", erläuterte Rürup.

Das in Deutschland geltende Äquivalenzprinzip, wonach höhere Beitragsleistungen zu einer proportional höheren Rente führten, entspreche nicht dem internationalen Standard. "Dort geht Armutsvermeidung vor Statussicherung", sagte Rürup. Als Schwachpunkt des Konzepts sieht der Rentenexperte allerdings den großen Kreis der Anspruchsberechtigten. "Wer die Grundrente in Anspruch nehmen will, sollte nachweisen, dass er durchweg vollzeitig gearbeitet hat. Anderenfalls wäre diese neue Rente eine Subvention des Niedriglohnbereichs", meinte Rürup.

Sozialverband will Grundrente bereits nach 25 Jahren

Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband stellte sich hinter das Konzept des Bundessozialministers. "Die Grundrente ist ein wichtiger Schritt, um die verdeckte Armut im Alter zu beseitigen", sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider. Der Verband schlug vor, die Aufwertung bereits ab 25 Beschäftigungsjahren greifen zu lassen, um Menschen mit längeren Zeiten der Erwerbsminderung oder Arbeitslosigkeit stärker zu berücksichtigen.

Für die Menschen, die dennoch weiterhin auf Grundsicherung angewiesen seien, müssten die Leistungen deutlich erhöht werden, verlangte der Sozialverband. Zudem forderte er, einen Grundfreibetrag von 100 Euro in der Grundsicherung im Alter einzuführen und von darüber liegenden Renten zusätzlich 20 Prozent nicht auf die Grundsicherung anzurechnen. "So kann die Bekämpfung von Armut mit der Anerkennung der Lebensleistung verbunden werden", betonte Schneider.