Gesundheit / 25.11.2020

Schlaganfall: Weniger Patienten – aber mehr kritische Fälle

Die Zahl der Todesfälle durch Schlaganfall ist gestiegen: Haben Patienten aus Angst vor Corona den Gang ins Krankenhaus gescheut?

Sanitäter und Krankenhauspersonal schieben einen Nofall-Patienten auf einer Bahre in die Notaufnahme.

Berlin (dpa). In den Kliniken sind im Corona-Krisenmodus im Frühjahr viel weniger Schlaganfall-Patienten behandelt worden. Es gab laut einer Studie aber mehr kritische Verläufe, wie das Wissenschaftliche Institut der Allgemeinen Ortskrankenkassen (WIdO) für AOK-Versicherte ermittelte.

Trotz insgesamt deutlicher Rückgänge der Fälle in den ersten drei Wochen der Krisenregeln stieg demnach die Zahl der Patienten, die binnen 30 Tagen nach einem Hirninfarkt oder einer Hirnblutung starben, auf 740. Im Vorjahreszeitraum seien es 714 verstorbene Schlaganfall-Patienten gewesen. Basis sind jeweils Abrechnungsdaten von AOK-Versicherten zwischen 16. März und 5. April.

Aus Angst vor Corona nicht ins Krankenhaus gekommen?

Um Kapazitäten für Corona-Patienten frei zu halten, hatten Bund und Länder dazu aufgefordert, ab 16. März alle planbaren Operationen, Aufnahmen und Eingriffe in Kliniken bis auf weiteres auszusetzen. Laut der Studie wurden nun zwischen Mitte März und Anfang April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 15 Prozent weniger Patienten mit Schlaganfällen und 28 Prozent weniger mit Herzinfarkt behandelt.

WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber erläuterte, Angst vor einer Corona-Infektion könnte gerade Patienten mit leichteren Beschwerden davon abgehalten haben, sich ins Krankenhaus zu begeben. „Diese Sorge muss den Patienten genommen werden, denn bei der Behandlung von Herzinfarkt und Schlaganfall zählt wirklich jede Minute.“

Autor

 Deutsche Presseagentur