Rente / 25.05.2020

Selbstständige arbeiten im Rentenalter oft aus Spaß

Deutscher Alterssurvey: Finanzielle Gründe werden zwar auch genannt, aber Freude an der Arbeit und an einer Aufgabe sowie soziale Kontakte überwiegen.

Bild zum Beitrag "Selbstständige Arbeit im Rentenalter oft freiwillig". Das Bild zeigt zwei Männer in einer Werkstatt, die Baupläne zeichnen.

Berlin (idw/sth). Immer mehr Menschen sind im Rentenalter erwerbstätig – dies betrifft in hohem Ausmaß auch Selbstständige, vor allem im fortgeschrittenen Rentenalter. Mit Daten aus dem Deutschen Alterssurvey aus dem Jahr 2014 gehen Heribert Engstler, Julia Simonson und Claudia Vogel vom Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) in Berlin in einer neuen Studie der Frage nach, aus welchen Motiven heraus sie in dieser Lebensphase selbstständig sind.

Die Studie unter dem Titel "Die Vielfalt der selbstständigen Erwerbstätigkeit im Rentenalter zwischen biographischer Kontinuität und Neuanfang" geht der These auf den Grund, dass Rentnerinnen und Rentner hauptsächlich erwerbstätig seien, weil ihre Rentenbezüge nicht reichten, um ihren Lebensstandard zu halten. Vor allem kleinere Selbstständige seien eine besondere Risikogruppe für eine nicht ausreichende Alterssicherung und daher (künftig) in höherem Maße darauf angewiesen, möglichst lange erwerbstätig zu bleiben.

Empirische Daten zu den Motiven einer Erwerbstätigkeit von Rentnerinnen und Rentnern konnten bislang aber "keine Bestätigung für eine Dominanz finanzieller Motive finden", heißt es in der Studie. Vielmehr seien die Gründe für eine Erwerbstätigkeit im Ruhestandsalter "äußerst vielfältig und nicht-materielle Beweggründe scheinen insgesamt eine wichtigere Rolle für eine Erwerbstätigkeit im Ruhestand zu spielen als materielle Motive".

Unterscheidung nach Fortführung oder Beginn einer Selbstständigkeit

Das DZA-Team unterschied Gruppen von Selbstständigen im Ruhestandsalter, je nachdem ob sie ihre selbstständige Tätigkeit fortführten oder neu aufnahmen und in welchem zeitlichen Umfang sie dies jeweils taten. Je nach Gruppe waren demnach finanzielle Motive zwar in unterschiedlichem Maß vorhanden, "weit häufiger wurden jedoch nicht-materielle Gründe für die Ausübung ihrer Tätigkeit genannt", schreiben die Berliner Wissenschaftler. Freude an der Arbeit, Kontakt zu anderen Menschen und eine Aufgabe zu haben seien "über alle Gruppen hinweg die wichtigeren Motive" gewesen.

Bemerkenswert finden die Forscher, dass diejenigen, die ihre Selbstständigkeit mit reduziertem Umfang fortführen, "etwas häufiger finanzielle Motive für die Erwerbstätigkeit (angaben) als Selbstständige, die Vollzeit weiterarbeiten und Personen, die erst nach dem Rentenbeginn eine selbstständige Tätigkeit begonnen haben". Die Teilzeitjobber unter den Rentner-Unternehmern seien auch diejenigen unter den Selbstständigen, die im Vergleich zu den anderen über ein eher durchschnittliches Einkommen verfügen.

Dies deute darauf hin, dass "eine als nicht ausreichend empfundene Alterssicherung für einen Teil der Selbstständigen durchaus eine Rolle für die Fortführung ihrer Tätigkeit nach dem Rentenbeginn spielt". Angestellte Rentnerinnen und Rentner gäben gegenüber Selbstständigen etwas "häufiger finanzielle Gründe" an – aber auch von ihnen würden "nicht-finanzielle Motive im Schnitt häufiger genannt als finanzielle Motive", heißt es in der Studie.

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Die vollständige Studie ist zu finden unter https://doi.org