Rente / 14.09.2020

Seltener Erwerbsminderungsrente wegen der Psyche

Bundesregierung: Die Zahl neu bewilligter Frührenten aufgrund psychischer Störungen sank 2019 gegenüber dem Vorjahr um mehr als 4.300 auf 67.000.

Bild zum Beitrag "Etwas weniger Erwerbsminderungsrenten wegen der Psyche". Das Bild zeigt einen Mann mittleren Alters, der den Kopf in den Händen vergräbt.

Berlin (sth). Psychische Störungen waren im Jahr 2019 erneut mit Abstand die wichtigste Ursache von neu bewilligten Erwerbsminderungsrenten (EM-Renten). Ihre Zahl sank allerdings erstmals seit Jahren gegenüber dem Vorjahr erkennbar – von rund 71.300 um mehr als sechs Prozent auf knapp 67.000. Der Anteil der durch Depressionen, Burn-Out und andere psychische Beschwerden ausgelösten Frührenten an allen EM-Renten sank gegenüber dem Vorjahr von 42,9 Prozent auf 41,9 Prozent. Das geht aus aktuellen Daten der Deutschen Rentenversicherung hervor, die am Wochenende durch die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion bekannt wurden. Demnach lag die Quote psychischer Störungen an den im jeweiligen Jahr bewilligten EM-Renten zwischen 2013 und 2018 durchgängig bei etwa 43 Prozent, im Jahr 2005 hatte sie noch etwa 32 Prozent betragen.

Auch die Zahl der Krankheitstage (offiziell: Arbeitsunfähigkeitstage, d. Red.), die auf psychische Störungen zurückzuführen sind, stieg den Angaben der Bundesregierung zufolge zwischen 2005 und 2016 erheblich an. Konnten betroffene Beschäftigte vor 15 Jahren noch an insgesamt 44,5 Millionen Tagen nicht ihrer Arbeit nachgehen, waren es laut Erhebungen der Krankenkassenverbände und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) im Jahr 2016 mehr als 109 Millionen Arbeitstage – mehr als doppelt so viel wie elf Jahre zuvor. Ab 2017 mussten Arbeitnehmer mit psychischen Störungen etwas seltener wegen ihrer Probleme tage- oder wochenlang zuhause bleiben, im Jahr 2018 an insgesamt etwa 90 Millionen Arbeitstagen.

"Der in den Arbeitsunfähigkeitsdaten sichtbare Anstieg der psychischen Erkrankungen findet in Bevölkerungsstudien keine Entsprechung", heißt es in der Erläuterung der Bundesregierung zu den aktuellen Daten. "Expertinnen und Experten führen an, dass der Anstieg auch auf eine höhere Aufmerksamkeit für diese Erkrankungen und eine Veränderung des ärztlichen Verhaltens im Umgang mit Diagnosen (und Krankschreibungen) verbunden ist." Allerdings sei nicht für alle Jahre dieselbe Datenbasis genutzt worden. Zudem gebe es "viele Einflussfaktoren, die das Arbeitsunfähigkeitsgeschehen insgesamt mit beeinflussen und in den Daten nicht berücksichtigt werden können", heißt es in der Regierungsantwort.

Mehr zum Thema:

https://dip21.bundestag.de

Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion zu arbeitsbedingten psychischen Erkrankungen (pdf)

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Autor

Stefan Thissen