Rente / 24.11.2017

Sieben gute, sieben schlechte Jahre

Studie sieht auf Beitragszahler und Rentner goldene Zeiten zukommen – doch ab 2024 müssen alle den Gürtel enger schnallen.

Erkrath/Bad Homburg (sth). Die Kassenlage bei den gesetzlichen Rentenversicherern bleibt noch mehrere Jahre lang entspannt. Trotz eines ab Januar 2018 auf 18,6 Prozent sinkenden Rentenbeitrags können die mehr als 32 Millionen versicherungspflichtig Beschäftigten und ihre Arbeitgeber bis zum Jahr 2023 mit einer nahezu stabilen Belastung rechnen. Doch auf die bevorstehenden "sieben guten Rentenjahre" folgen nach Einschätzung des Finanzmathematikers Werner Siepe "spätestens ab 2025 ... sieben eher schlechte Rentenjahre". Grund für die von ihm erwartete Entwicklung sei die aktuelle "demografische Pause", da die geburtenstärksten Jahrgänge (1959 - 1969) erst ab Mitte der 2020er-Jahre in die Rente gehen würden, so Siepe.

Laut seiner Analyse des am Mittwoch veröffentlichten Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung führe die erwartete Einnahme- und Ausgabenentwicklung in der Rentenversicherung zu einem "recht günstigen Beitrag-Rente-Verhältnis (gemeint ist der Rentenanspruch in Prozent des Rentenbeitrags, d. Red.) von durchschnittlich 5,4 Prozent", hat der Mathematiker aus dem Rheinland ermittelt. Auch in den vergangenen zehn Jahren habe dieser Satz "nicht höher" gelegen.

Stark wachsende Rentnerzahl belastet Beitragszahler und Rentner

Spätestens zur Mitte des kommenden Jahrzehnts ist nach Darstellung des Rentenversicherungsbericht und der Deutschen Rentenversicherung jedoch mit zwei deutlich gegenläufigen Entwicklungen zu rechnen. Während der Beitragssatz ab 2024 nach jüngsten Berechnungen des Schätzerkreises für die Rentenversicherung einen Sprung auf rund 20 Prozent machen wird, dürfte das Rentenniveau etwa gleichzeitig von rund 48 Prozent bis auf 45 Prozent im Jahr 2030 sinken. Dabei sind die von der früheren Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) vorgeschlagenen Haltelinien für Beitragssatz und Rentenniveau nicht eingerechnet (siehe auch Link unten, Folien Nr. 14-15).

Diese Trends schlagen sich nach den Berechnungen von Finanzmathematiker Siepe auch im Beitrag-Rente-Niveau nieder. Dieser sogenannte Rentensatz sinke in den sieben schlechten Jahren um mehr als einen Prozentpunkt auf "nur noch rund 4,2 Prozent in 2031", so Siepe. Und auch für die Jahre danach wird sich ohne politische Gegenmaßnahmen an der Negativentwicklung wenig ändern: Die Deutsche Rentenversicherung erwartet aktuell für 2040 einen Beitragssatz von 22,9 Prozent bei einem gleichzeitigen Rentenniveau von 42,4 Prozent.    

Mehr zum Thema:

www.deutsche-rentenversicherung.de

Link zu den Folien eines Vortrags des Bundesvorstandsvorsitzenden der Deutschen Rentenversicherung, Alexander Buntenbach, über deren finanzielle Situation am 14.11.2017 (im pdf-Format)

www.deutsche-rentenversicherung.de

Link zu den Antworten der Deutschen Rentenversicherung auf häufig gestellte Fragen zum Rentenbeitrag

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Autor

Stefan Thissen