Gesundheit / 09.04.2018

Sind Weisheitszähne überflüssig?

Ziehen oder nicht? Das ist die Frage, wenn es um Weisheitszähne geht. Was tun mit den potenziellen Störenfrieden?

Bad Homburg (kjs/ams). Sind Weisheitszähne potenzielle Störenfriede, weil sie häufig Ärger machen? Darüber berichtet der AOK-Medienservice (ams) und gibt die grundsätzliche Empfehlung, Weisheitszähne nur dann zu entfernen, wenn Probleme auftreten oder zu erwarten sind.

Warum heißen diese Zähne so?

Weisheitszähne sind die letzten in der Zahnreihe, nämlich die "Achter" hinter den anderen sieben Zähnen auf einer Seite. Sie brechen, wenn überhaupt, als Letztes durch – etwa zwischen dem 18. und 24. Lebensjahr. Weil die Menschen dann schon lange aus dem Milchzahn-Alter raus sind, werden diese Zähne "Weisheitszähne" genannt.

Die Nachzügler entwickeln sich allerdings oft zu Störenfrieden, weil sie nicht genug Platz im Kiefer haben und anderen Zähnen häufig im Weg stehen.

Sie sind Relikte aus längst vergangenen Zeiten, als Menschen noch einen größeren Kiefer brauchten, um unverarbeitete Nahrung, wie zum Beispiel rohes Fleisch, zermalmen zu können. Mit fortschreitender Evolution hat sich der Kiefer zurückgebildet und bietet eigentlich nur noch Platz für 28 statt der ursprünglichen 32 Zähne.

Manche haben nie Probleme

Der menschliche Körper reagiert auf die veränderten Bedingungen, wenn auch langsam: Nicht alle Menschen haben deshalb vier Weisheitszähne, und nicht immer kommen sie zum Vorschein. Bei manchen bleiben sie ein Leben lang still im Kiefer liegen, bei manchen sind nur drei, zwei, einer oder sogar gar kein "Achter" im Gebiss angelegt.

Weisheitszähne drücken manchmal gegen den benachbarten Backenzahn, gegen den Kieferknochen oder es bildet sich beim Herauswachsen eine Zahnfleischtasche, die Probleme machen kann.

Es kann auch ganz versteckt Karies entstehen, weil mit der Zahnbürste nicht so gut im hinteren Mundwinkel geputzt werden kann.

Vollnarkose nur im Ausnahmefall

Wenn absehbar ist, dass es im Kiefer zu eng wird und ursprünglich korrekt stehende Zähne übereinander geschoben werden, müssen die Weisheitszähne vom Zahnarzt oder Kieferchirurgen entfernt werden.

Oft reicht eine lokale Betäubung. Werden allerdings gleich mehrere Weisheitszähne entfernt oder liegen sie sehr kompliziert oder sind die Ängste des Patienten groß, kann auch mal eine Vollnarkose notwendig sein.

Das Für und Wider eines solchen Eingriffs sollten Zahnarzt und Patient sorgfältig gegeneinander abwägen, da jede Operation mit Risiken, wie Blutungen oder ein vorübergehendes Taubheitsgefühl, einher gehen kann.

Zweitmeinung kann hilfreich sein

Für die Entscheidung, ob Weisheitszähne raus müssen oder doch belassen werden können, kann der Patient auch das Urteil eines zweiten Zahnarzt zu Rate ziehen.

Oft bereiten allerdings nicht durchgebrochene Weisheitszähne überhaupt keine Beschwerden und können sich problemlos in die Zahnreihe einfügen. Manchmal eignen sich die Nachzügler sogar als Ersatz für verloren gegangene oder stark geschädigte Backenzähne.

Autor

Karl-Josef Steden