Finanzen / 12.10.2018

So können Privatversicherte sparen

Mit Beitragserhöhungen wollen private Krankenversicherungen höhere Kosten auffangen. Ist ihnen der Anstieg zu hoch, können Versicherte aber gegensteuern.

Henstedt-Ulzburg (dpa/tmn). Zum Jahreswechsel erhalten viele privat Krankenversicherte unschöne Post: Im kommenden Jahr wird ihre Krankenversicherung teurer. Um durchschnittlich etwa drei Prozent pro Jahr steigen die Beiträge laut dem Verband der Privaten Krankenversicherung. In den vergangenen Jahren verteuerten sich einzelne Tarife bei manchem Versicherer allerdings um mehr als zehn Prozent. "Mit der Zeit sind solche Beitragssteigerungen für die Versicherten ziemlich heftig", sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten.

Ein älterer, leistungsstarker Tarif kann durchaus monatlich 1.000 Euro Prämie kosten. Das ist etwa für Rentner mit niedrigem Einkommen kaum noch zu stemmen. Cornelia Nowack von der Stiftung Warentest erklärt, dass Beitragserhöhungen grundsätzlich normal sind. "Steigende Kosten für Behandlungen oder die längere Lebenserwartung verursachen höhere Kosten. Die Versicherung muss regelmäßig prüfen, ob die Beiträge diese Kosten noch decken." Tun sie das nicht und überschreiten sie gewisse Schwellenwerte, darf die Versicherung den Beitrag anpassen. Da die Zinsen seit Jahren niedrig sind, kann das Unternehmen das Geld kaum gewinnbringend anlegen, um die Krankheitskosten der Zukunft zu decken.

Einfachster Weg: Selbstbeteiligung erhöhen

Wenn die private Krankenversicherung mit der Zeit zu teuer wird, haben Versicherte Möglichkeiten, ihren Beitrag zu senken. Hier gilt es, genau abzuwägen und durchzurechnen. Am einfachsten ist es, die Selbstbeteiligung des Versicherten an den Krankheitskosten zu erhöhen, rät Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Versicherte sollten ihren Anbieter bitten, die Prämien für verschiedene Selbstbehalte durchzurechnen.

"Um abzuschätzen, ob sich das Angebot lohnt, teilt man den Selbstbehalt durch zwölf und addiert ihn auf den monatlichen Beitrag", erklärt Weidenbach. Eine deutliche Ersparnis gegenüber dem alten Beitrag rechtfertigt eine Erhöhung. Zu hoch sollte der Selbstbehalt aber nicht sein, warnt die Expertin. Die Stiftung Warentest empfiehlt etwa, einen Eigenanteil über 1.000 Euro zu vermeiden. Ratsam ist außerdem, sich einen finanziellen Puffer anzusparen. Den Selbstbehalt später wieder zu senken ist in der Regel nicht möglich, der Versicherer muss zustimmen und verlangt meist eine Gesundheitsprüfung.

Tarifwechsel kann kompliziert werden

Selten sinnvoll ist, den Vertrag zu kündigen, um zu einer anderen Versicherung zu wechseln. Dann gehen die Altersrückstellungen vollständig oder zum Teil verloren. Privat Krankenversicherte haben aber das Recht, bei ihrer eigenen Versicherungsgesellschaft in einen anderen Tarif zu wechseln – und die Rückstellungen so zu erhalten. Besonders für schon lang Versicherte kann sich das lohnen, denn mitunter können sie in einen Tarif wechseln, der ähnliche Leistungen hat, aber deutlich günstiger ist. "Der Preis hängt nicht nur von den Leistungen ab, sondern auch von der Gesundheit der in dem Tarif Versicherten", erläutert Nowack von der Stiftung Warentest. Allerdings ist der Tarifwechsel nicht ganz ohne Hürden, weiß die Expertin: "Man hat den Eindruck, dass Gesellschaften teilweise blocken und nicht wollen, dass Versicherte den Tarif wechseln." Es sei kompliziert und unübersichtlich.

Das bestätigt auch Boss, die empfiehlt, sich beim Tarifwechsel unabhängig beraten zu lassen. "Weisen Sie den Versicherer auf Ihr Recht zu wechseln hin, er soll passende Tarife, deren Leistungen, Unterschiede und den Beitrag aufschlüsseln", erläutert Boss. Das Wichtigste sei, genau darauf zu achten, wo es beim neuen Tarif Leistungseinschränkungen gibt. "Die Krux steckt im Detail. Der Versicherte muss seinen Vertrag kennen und überlegen, ob diese Einschränkungen die Ersparnis wert sind." So kann ein Tarif mit Zweibettzimmer gewählt oder eine Krankentagegeldversicherung gestrichen werden. Leistungen wie etwa Zahnersatz sollten dagegen gerade im Alter nicht reduziert werden.

Notfalls in Sozialtarife der PKV wechseln

Bietet der neue Tarif bessere Leistungen, steht eine neue Gesundheitsprüfung für diese Mehrleistungen an. Die können Versicherte aber auch zu ihren Gunsten nutzen. Sind bei Vertragsabschluss festgestellte Krankheiten heute geheilt, kann auch das den Beitrag wieder etwas senken. "Es ist nicht unrealistisch, dass der Versicherer Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse wieder streicht", bestätigt Weidenbach.

Wenn alle Stricke reißen, können Versicherte auch noch in die Sozialtarife der PKV wechseln. Der Standardtarif bietet ähnliche Leistungen wie die gesetzlichen Krankenkassen. Weil die Altersrückstellungen für den Beitrag genutzt werden, ist er mit durchschnittlich 280 Euro im Monat sehr günstig. Offen steht er allerdings nur Versicherten über 55 Jahren, die bereits vor 2009 in der PKV versichert waren. Für die anderen gibt es den Basistarif, der ebenfalls ein ähnliches Leistungsniveau wie die GKV hat. Doch hier werden etwa 690 Euro im Monat fällig.

Weitere Informationen:

www.bundderversicherten.de

Internetseite des Bundes der Versicherten

www.test.de/thema/private-krankenversicherung/

Schwerpunktthema private Krankenversicherung auf der Internetseite der Stiftung Warentest

Autor

 Deutsche Presseagentur – Themendienst