Finanzen / 11.05.2021

So viel kosten Wohnungen in deutschen Mittelstädten

Der Preiswahnsinn hat längst die Mittelstädte erreicht. Mancherorts ist Wohneigentum doppelt so teuer wie vor fünf Jahren.

Baustelle Neubausiedlung für Luxuswohnungen mit Baukränen.

München (rt). Passau plus 92 Prozent, Esslingen plus 76 Prozent, Gera plus 46 Prozent – auch in Städten zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern sind Wohnungen in den vergangenen fünf Jahren deutlich teurer geworden. Dies geht aus einer Untersuchung des Immobilienportals Immowelt in 83 deutschen Mittelstädten hervor.

Demnach müssen in allen diesen Städten Käufer von Wohnungen mit 40 bis 120 Quadratmetern mehr zahlen als vor fünf Jahren. Vergleicht man 2020 mit 2015, stiegen in 60 Städten die Preise um mehr als 50 Prozent. Teilweise sind sie sogar doppelt so hoch.

Bayreuth und Flensburg steil nach oben

Den höchsten Anstieg verzeichnet die nordbayerische Universitätsstadt Bayreuth mit einem Plus von 108 Prozent. Eigentumswohnungen kosteten dort vor fünf Jahren noch im Mittel 1800 Euro pro Quadratmeter. 2020 waren es bereits 3750 Euro. Ähnlich stark nach oben ging es in Flensburg mit einem Plus von 97 Prozent – bei einem deutlich niedrigeren mittleren Quadratmeterpreis von 2280 Euro.

Selbst in den vergleichsweise günstigen Mittelstädten haben sich die Wohnungen stark verteuert. Im sächsischen Görlitz, letzter in der Rangliste, wurde für eine Eigentumswohnung im Mittel aber nur 810 Euro pro Quadratmeter verlangt – nach einem Preisanstieg von immerhin 69 Prozent.

Untersucht wurden von Immowelt dabei immer die inserierten Angebotspreise von Wohnungen, bei denen eine vermehrte Nachfrage festzustellen war. Die angegebenen Preise geben nicht den Durchschnittspreis wieder, sondern den aussagekräftigeren Median. Das ist der Wert, der genau in der Mitte ist, sortiert man die Preise der Höhe nach.

Corona-Krise heizt die Preise an

Die gestiegenen Preise dürften auf die verstärkte Nachfrage nach Eigentumswohnungen zurückzuführen sein. Diese sei in der Corona-Krise noch einmal gestiegen, „was die Preise weiter nach oben getrieben hat“, heißt es in einer Mitteilung des Immobilienportals. Außerdem profitierten viele Mittelstädte „wirtschaftlich von der Nähe zu Großstädten“. Dies habe aber auch „häufig Preissteigerungen zur Folge, da kleinere Städte im Umland stärker in den Fokus der Käufer rücken“. Auch Hochschulstandorte befinden sich laut Immowelt häufig „am oberen Ende der Preisskala“.

Auffällig ist die Entwicklung vor allem im Süden Deutschlands. Hier schießen die Preise auch abseits der Großstädte in zumindest für viele Durchschnittsverdiener ohne größere Erbschaft unerschwingliche Höhen. So sind in der Universitätsstadt Konstanz am Bodensee bereits im Mittel 5250 Euro pro Quadratmeter fällig. Was beliebt ist, ist eben oft auch teuer.

Angebotspreise für Wohnungen ausgewählter Mittelstädte

Preise pro Quadratmeter in Euro

Autor

Robert Thiel