Finanzen / 30.10.2019

Sorge um Lebensversicherer wächst

Die anhaltende Zinsflaute setzt Lebensversicherer und Pensionskassen unter Druck. Die Versicherungsaufsicht ist beunruhigt.

Bild zum Thema: Zinstief: Sorge um Lebensversicherer wächst. Es zeigt das Eurosymbol vor der EZB.

Bonn (dpa). Die Finanzaufsicht Bafin beobachtet die Lage von Lebensversicherern und Pensionskassen im Zinstief mit wachsender Sorge. "Die Situation der Lebensversicherer und Pensionskassen erfordert, dass wir unsere Kontrolle verstärken", sagte der Chef der Versicherungsaufsicht, Frank Grund, am Dienstag in Bonn.

Die jüngste Zinssenkung im Euroraum habe die Herausforderung für die Versicherer noch einmal vergrößert. Die Zinsflaute setzt Lebensversicherern und Pensionskassen seit geraumer Zeit zu. Es fällt den Unternehmen immer schwerer, die hohen Versprechen der Vergangenheit an den Kapitalmärkten zu erwirtschaften. Das bekommen auch die Kunden zu spüren. Die Verzinsung des Altersvorsorge-Klassikers sinkt.

Viele Lebensversicherer haben sich auf das Zinstief eingestellt

Die Bafin sei dem Schutz der Versicherten und Versorgungsberechtigten verpflichtet, sagte Grund anlässlich der Jahreskonferenz der Versicherungsaufsicht. Dieses Mandat sei ein Auftrag, "auf die dauerhafte Leistungsfähigkeit der Unternehmen zu achten". Es sei ein Punkt erreicht, "an dem die Marktteilnehmer sehr deutlich machen sollten, wie stark die niedrigen Zinsen mittlerweile ihr Geschäftsmodell und damit ihren Beitrag zur kapitalgedeckten Altersversorgung gefährden".

Viele Lebensversicherer hätten sich auf das Zinstief eingestellt und beispielsweise ihre Kosten gesenkt, ihre Eigenmittel gestärkt oder die Überschussbeteiligung für die Kunden reduziert. Unternehmen, bei denen die ergriffenen Maßnahmen möglicherweise nicht ausreichen, um ihre Verpflichtungen dauerhaft zu erfüllen, nimmt die Bafin genauer unter die Lupe. Zuletzt standen etwa 20 Lebensversicherer und 31 Pensionskassen unter intensivierter Aufsicht. Die Behörde geht davon aus, dass die Zahlen stark steigen werden.

Höhere Strafzinsen für Banken, frische Milliarden für Anleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hatte im Kampf gegen Konjunkturschwäche und niedrige Inflation ihre ultralockere Geldpolitik im September nochmals verschärft. Dazu zählen höhere Strafzinsen (negativer Einlagenzins) für Banken, frische Milliarden für Anleihenkäufe und ein auf unbestimmte Zeit zementiertes Zinstief. Die nochmalige Senkung des negativen Einlagenzinssatzes habe den Druck auf die Marktteilnehmer erhöht, mahnte Grund.

Weitere Informationen:

www.bafin.de

Bafin-Mitteilung

Autor

 Deutsche Presseagentur