Soziales / 11.03.2021

Sozialbericht: Corona trifft Geringverdiener besonders hart

Geringverdiener können Einkommenseinbußen infolge der Pandemie kaum auffangen. Die soziale Kluft zwischen arm und reich wächst.

Sozialbericht: Corona trifft Geringverdiener besonders hart. – Frau schaut verzweifelt auf Rechnungen, Taschenrechner und Geldbörse.

Berlin (dpa). Die Corona-Pandemie trifft Menschen mit geringem Einkommen besonders hart. Damit könnte sich die soziale Schieflage in Deutschland verschärfen. Dies geht aus einem umfassenden Sozialbericht hervor, den das Statistische Bundesamt am Mittwoch gemeinsam mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) veröffentlichte. Für den Datenreport 2021 wurden amtliche Statistiken mit empirischen Befunden der Sozialforschung kombiniert.

Zahlungsschwierigkeiten, Geldnot, sinkender Lebensstandard

Demnach waren im ersten Lockdown Menschen mit höherem Einkommen zwar häufiger von Einkommenseinbußen betroffen, die Folgen der Pandemie für Menschen mit Niedrigeinkommen aber härter: Etwa jeder Fünfte gab an, in Finanznöten zu stecken oder dies zu befürchten. Der WZB-Experte Philipp Wotschack sagte über diese Gruppe: „Sie waren in Zahlungsschwierigkeiten geraten, mussten Kredite aufnehmen, waren in ernsthafte Geldprobleme geraten, mussten möglicherweise auf Ersparnisse zurückgreifen, Sozialleistungen beantragen oder ihren Lebensstandard drastisch einschränken.“

25 Prozent aller Alleinerziehenden finanziell in Not

Die Befragungen liefen von Ende März bis Anfang Juli vergangenen Jahres. Unabhängig vom Beruf waren Alleinerziehende mit 25 Prozent am häufigsten von finanziellen Problemen betroffen. Menschen mit Migrationshintergrund berichteten fast doppelt so häufig von finanziellen Schwierigkeiten wie Menschen ohne Migrationshintergrund (15 beziehungsweise 8 Prozent).

Neben Selbstständigen (20 Prozent) schilderten an- und ungelernte Arbeiter (17 Prozent) und einfache Angestellte (14 Prozent) besonders häufig von Geldproblemen. Bei Menschen in qualifizierten Angestelltenberufen (9 Prozent) war der Anteil deutlich niedriger.

Wotschak erläuterte: „Die untersten Einkommensgruppen waren häufiger von Freistellungen und Arbeitslosigkeit betroffen und mussten häufiger vor Ort arbeiten. Die obersten Bildungs- und Einkommensgruppen waren häufiger in der Lage, ihre Arbeit auch im Home-Office zu erledigen.“

Autor

 Deutsche Presseagentur