Rente / 14.08.2020

Sozialpartner streiten über höheres Rentenalter

Arbeitgeber fordern, zur Begrenzung der Sozialabgaben das Rentenalter an die Lebenserwartung zu koppeln. Gewerkschaften sind strikt dagegen.

Bild zum Beitrag "Sozialpartner streiten über höheres Rentenalter". Das Bild zeigt Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer.

Berlin (dpa/sth). Die Sozialpartner streiten über die künftige Altersgrenze für Arbeitnehmer. Um Betriebe bei den Sozialabgaben zu entlasten und die Beiträge stabil zu halten, sollten die Bürger nach Ansicht von Arbeitgebern länger arbeiten, fordert eine von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) eingesetzte Kommission. Nur mit konsequenten Reformen und teils unbequemen Maßnahmen könne erreicht werden, dass die Beitragsbelastung dauerhaft unter 40 Prozent bleibe, heißt es in dem am Donnerstag vorgestellten Abschlussbericht der Expertengruppe. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sprach sich dagegen aus.

Die Arbeitgeberkommission empfiehlt, dass die Regelaltersgrenze für den Renteneinstieg ab 2031 weiter heraufgesetzt wird. Sie soll automatisch an die seit Jahren steigende Lebenserwartung gekoppelt werden: Steigt die Lebenserwartung um ein Jahr, sollen die Menschen ein Dreivierteljahr länger arbeiten. Wer vorzeitig in Rente geht, soll höhere Abschläge in Kauf nehmen müssen (bisher 0,3 Prozent Abschlag je Monat des vorzeitigen Rentenbeginns); wer freiwillig länger arbeitet und in dieser Zeit auf die Zahlung der bereits zustehenden Rente verzichtet, soll höhere Zuschläge bekommen (bisher 0,5 Prozent Zuschlag pro Monat des aufgeschobenen Rentenbeginns).

Nachhaltigkeitsfaktor verstärken

Darüber hinaus plädieren die Arbeitgeber dafür, den sogenannten Nachhaltigkeitsfaktor in der Berechnungsformel für die jährliche Rentenanpassung zu verstärken. Der Nachhaltigkeitsfaktor berücksichtigt die Veränderung des Zahlenverhältnisses zwischen Beschäftigten und Rentnern und dämpft bei steigenden Rentnerzahlen die Rentensteigerungen. Diese Veränderung wird aber nur teilweise an die Rentner weitergegeben. Zudem sollten nicht beitragsgedeckte Leistungen der Rentenversicherung – wie etwa die sogenannte Mütterrente – künftig "voll aus dem Bundeshaushalt" finanziert werden, verlangt die BDA

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wies die Arbeitgebervorschläge zurück. "Ein höheres Renteneintrittsalter ist völlig inakzeptabel. Das wäre de facto eine Rentenkürzung für die Menschen, die einer stark belastenden Tätigkeit nachgehen. Denn wer härter arbeitet, stirbt früher", sagte DGB-Vorstand Anja Piel der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitag). Viel nachhaltiger sei es, "weiterhin für eine hohe Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung, insbesondere der Frauen und Migranten und Migrantinnen, zu sorgen."

Mehr zum Thema:

www.arbeitgeber.de

Broschüre der BDA mit Empfehlungen zur Begrenzung der Sozialabgaben (pdf)

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Autor

Stefan Thissen