Rente / 05.08.2019

Späte Rente, längeres Leben?

Studie: Renteneintrittsalter hat Einfluss auf die Sterblichkeit – Berufsgruppe und Einkommen entscheidend

Bild zum Thema Späte Rente, längeres Leben? – Äteres Paar tanzt durch die Wohnung.

Bad Homburg (kma). Ein möglichst früher Eintritt in die Rente ist nicht für alle Arbeitnehmer gut. Im Gegenteil: Für manche ist er sogar ungesund. Bei Besserverdienenden erhöht die frühe Rente die Sterblichkeit – bei Männern um fast drei, bei Frauen um 4,5 Prozent. Das geht aus einer Studie hervor, die das RWI-Institut für Wirtschaftsforschung durchgeführt hat und über die die Süddeutsche Zeitung jetzt berichtet hat. Ergebnis: Das Rentenalter wirkt sich signifikant aufs Überleben aus.

Besserverdiener profitieren nicht von frühem Renteneintritt

Demnach bedeutet der Ruhestand für Besserverdiener, die gern arbeiten und sich mit ihrer Tätigkeit stark identifizieren, einen Verlust sozialer Kontakte und beruflicher Identifikation. Dieser Gruppe, die im Jahr 30.000 Euro oder mehr verdient, könnte das steigende Renteneintrittsalter auf 67 Jahre bis 2030 also entgegen kommen. Teilzeitarbeit während der Rente (die Flexirente macht’s möglich) könne der sozialen Isolation und dem Verlust der beruflichen Identifikation – und damit einer früheren Sterblichkeit – entgegenwirken.

Bei Geringverdienern wirkt sich der Ruhestand lebensverlängernd aus

Für die meisten Arbeitslosen und Geringverdiener wirke sich ein früherer Ruhestand dagegen lebensverlängernd aus: Bei Männern, die mit 63 Jahren in Rente gehen, sinke die Sterblichkeit in den ersten zwölf Monaten um ein bis drei Prozent. Wer mit 63 in Rente gehe, habe in den meisten Fällen vorher aber einen körperlich anstrengenden Job ausgeübt, der selten als Selbstbestätigung empfunden worden sei. Diese Gruppe profitiere also von der abschlagfreien Rente nach 45 Beitragsjahren („Rente mit 63“). Insgesamt sei der positive Effekt auf die Sterblichkeit in dieser Gruppe um bis 40 Prozent erhöht.

Erwerbsbiografie hat Einfluss auf Gesundheit

„Die Studie zeigt erstmals, welch großen Einfluss die Erwerbsbiografie auf die Gesundheit im Rentenalter hat“, sagt Matthias Giesecke, RWI-Wissenschaftler und Studienautor. „Die Erwerbsbiografie ist entscheidend für die Art der Aktivitätsveränderung um den Renteneintritt.“

Die Untersuchung basiert auf Daten des Forschungsdatenzentrums der Rentenversicherung (FDZ-RV) der Deutschen Rentenversicherung. Analysiert wurden Informationen zu rund 280.000 Rentnerinnen und gut 500.000 Rentnern der Geburtsjahrgänge 1934 bis 1936, die für den Zeitraum 1994 bis 2013 ausgewertet wurden.

Weitere Informationen

www.rwi-essen.de

Mitteilung zur Studie auf der Internetseite des RWI

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Autor

Katja Mathes