Soziales / 17.11.2017

Statistik-Serie: Armut und Schulden

Serie Statistisches Jahrbuch – letzter Teil: Jede sechste Person von Armut bedroht.

Offenbach (kjs). Im Jahr 2015 war jede sechste Person (16,7 Prozent) armutsgefährdet. Davon waren Alleinerziehende (33,7 Prozent) besonders betroffen. Das geht aus dem Jahrbuch 2017 des Statistischen Bundesamtes hervor.

Allgemein bezeichnet Armut eine Situation wirtschaftlichen Mangels, die verhindert, ein angemessenes Leben zu führen. Da hierzulande das durchschnittliche Wohlstandsniveau über dem Existenzminimum liegt, spricht man in Deutschland und der EU meist von der „relativen Armut“. Danach ist armutsgefährdet, wer im Vergleich zur Mehrheit der Bevölkerung eine bestimmte Einkommensgrenze (Schwellenwert) unterschreitet.

Schwellenwerte für die Armutsgrenze

Dieser Grenzwert betrug 2015 für einen Einpersonenhaushalt 942 Euro. Bei einem Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern lag er bei 1.978 Euro. Nach Bundesländern getrennt war er in Baden-Württemberg mit 1.033 Euro am höchsten und in Mecklenburg-Vorpommern mit 799 Euro am niedrigsten. Ordnet man diesen Schwellenwert den alten Bundesländern zu, so betrug er dort insgesamt 974 Euro und in den neuen Bundesländern 841 Euro.

Überschuldungen in 2016

Personen, die in der Überschuldungsstatistik erfasst werden, müssen nicht zwangsläufig von einer Verbraucherinsolvenz betroffen sein. Zum Teil waren sie nur durch finanzielle Probleme überfordert oder es lag eine vorübergehende Zahlungsstörung vor. Erfasst sind allerdings nur solche Personen, die sich in den rund 1.400 Schuldnerberatungsstellen zur Erfassung der statischen Angaben bereit erklärt haben. Im Berichtsjahr 2016 haben über 450 Beratungsstellen an der freiwilligen Erhebung teilgenommen. Deshalb sind aus den nachfolgenden Daten Rückschlüsse auf die Gesamtzahl der überschuldeten Personen in Deutschland nicht abzuleiten.

Gründe für die Überschuldung

Hauptauslöser für die Überschuldung waren Arbeitslosigkeit (21,1 Prozent), gefolgt von Erkrankungen, Sucht oder Unfall (14,7 Prozent) sowie Trennung, Scheidung oder Tod des Partners (13,0 Prozent). Die durchschnittlichen Schulden der beratenden Personen lagen bei 31.613 Euro. Nach Geschlechter aufgeteilt, betrugen die Schulden bei Männern 36.607 Euro und bei Frauen 26.000 Euro. Insgesamt bestanden die meisten Schulden mit 14.839 Euro bei Kreditinstituten. Fast die Hälfte der beratenen Personen hatte Schulden bei Telekommunikationsunternehmen.

Verbraucherinsolvenzen rückläufig

26 Prozent der beratenen Personen hatten zwischen fünf und 19 Gläubiger. In 2016 gab es 77.238 Verbraucherinsolvenzverfahren mit einer voraussichtlichen Gesamtforderung von rund 3,6 Milliarden Euro. Gegenüber dem Jahr 2015 ist die Anzahl der Verfahren um 3,6 Prozent zurückgegangen.

Weitere Informationen

  • www.destatis.de
    Das Jahrbuch auf der Internetseite des Statistischen Bundesamtes zum Herunterladen
  • Teil 4 der Statistik-Serie: Verdienste und Arbeitskosten

Autor

Karl-Josef Steden