Finanzen / 07.06.2022

Steigende Bauzinsen – Experten erwarten Wende am Immobilienmarkt

Steuert der Immobilienboom auf ein Ende zu? Experten rechnen wegen steigender Zinsen mit schon bald sinkender Nachfrage.

Neubau eines Einfamilienhauses mit Gerüst. Bild: IMAGO / imagebroker / Helmut Meyer

Frankfurt/Main (dpa). Nach mehr als zehn Jahren Immobilienboom in Deutschland erwarten Experten eine Wende am Wohnungsmarkt. Bisher seien Vorzieheffekte von Menschen zu sehen, die noch schnell Immobilien kaufen wollten, bevor die Bauzinsen weiter steigen, sagte Michael Voigtländer, Immobilienexperte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW). „Im zweiten Quartal sollten wir dann aber eine Wende am Immobilienmarkt sehen“, meint er. „Klar ist, dass mit rapide steigenden Zinsen mehr und mehr Käufergruppen aus dem Markt fallen.“

Auch bei großen Investoren ändere sich das Bild. „Sie wollen noch kaufen, aber angesichts der höheren Zinsen zu niedrigeren Preisen.“ Denkbar sei aber auch eine längere Preisstagnation, bis der Markt über steigende Einkommen wieder ein Gleichgewicht gefunden habe.

Nachfrage nach Wohnimmobilien wird sinken

In den vergangenen Monaten sind die Bauzinsen enorm gestiegen. Die Zinsen für zehnjährige Standardkredite haben sich laut der Frankfurter FMH-Finanzberatung seit Dezember von 0,9 Prozent auf zuletzt rund 2,5 Prozent fast verdreifacht – Tendenz steigend.

Zwar seien die Bauzinsen historisch gesehen noch relativ niedrig, schrieb Stefan Mitropoulos, Ökonom bei der Landesbank Helaba. Dennoch sollte der Zinsanstieg nicht unterschätzt werden. „Die deutlich höheren Finanzierungskosten dürften die Nachfrage nach Wohnimmobilien insgesamt dämpfen und stärker in das preisgünstigere weitere Umland der großen Städte lenken.“ Damit sollte sich Jahresverlauf der Preisanstieg am Wohnungsmarkt „spürbar verlangsamen“.

Auch Fachleute der Deutschen Bank erwarten, dass der Aufwärtszyklus am Wohnungsmarkt vor einem Ende steht und nach ihren Modellen wahrscheinlich 2024 ausläuft. Immobilienexperte Jochen Möbert rechnet mit einer „verhaltenen Preiskorrektur“, wie es in einer Studie hieß.

Autor

 Deutsche Presseagentur