Finanzen / 03.02.2021

Studie: Erbschaften machen Vermögende noch reicher

Erbrecht: Oft profitieren Begünstigte nicht erst beim Erbe, sondern bereits im Vorfeld von Schenkungen. Das verschärft die Vermögensungleicheit.

Studie: Erbschaften machen Vermögende noch reicher. – Wandsafe geöffnet mit Geldscheinen.

Berlin (dpa).Vermögende in Deutschland profitieren einer Studie zufolge am stärksten von lukrativen Erbschaften. Nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) geht fast die Hälfte des Erbschafts- und Schenkungsvolumens an die reichsten zehn Prozent der Begünstigten. Die anderen 90 Prozent teilen sich die verbleibende Hälfte. „Die Erbschaftswelle verschärft die absolute Vermögensungleichheit“, analysiert DIW-Experte Markus Grabka.

Nach der Studie des DIW, der Universität Vechta und des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) haben in den vergangenen 15 Jahren rund zehn Prozent aller Erwachsenen geerbt oder eine größere Schenkung erhalten. Im Schnitt belief sich das Erbe inflationsbereinigt pro Person auf rund 85.000 Euro, bei Schenkungen auf 89.000 Euro. Gegenüber dem Jahr 2001 erhöhte sich die Durchschnittssumme um jeweils etwa 20 Prozent. Verglichen wurde der Zeitraum 1986 bis 2001 mit den Jahren 2002 bis 2017. Befragt wurden 15.000 Haushalte im Rahmen des sogenannten Sozio-ökonomischen Panels (SOEP).

Autoren empfehlen Änderung des Steuerrechts

Zwar sinkt die relative Ungleichheit durch Erbschaften und Schenkungen tendenziell, da das Vermögen auf mehrere Personen verteilt wird. „Doch gleichzeitig wird der Abstand beim Vermögen zwischen denen, die erben, und denen, die leer ausgehen, immer größer“, erläuterte Grabka.

Die Autoren plädieren für Änderungen des Steuerrechts. Die Politik sollte gegensteuern, „indem sie beispielsweise verhindert, dass das Vererben großer Vermögen mit der Zehnjahresfrist zeitlich gesplittet wird“, schlägt Studienautorin Claudia Vogel vom DZA vor. Derzeit können alle zehn Jahre Freibeträge in Anspruch genommen werden. Bei Kindern sind es 400.000 Euro pro einzelnem Elternteil.

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 Deutsche Presseagentur