Finanzen / 24.06.2021

Studie: Hohe Mieten treffen vor allem Geringverdiener

Millionen Haushalte in Deutschlands Großstädten zahlen Mieten, die sie sich eigentlich nicht leisten können.

Studie: Hohe Mieten treffen vor allem Geringverdiener. – Junger Mann sitzt am offenen Fenster mit schmiedeeisernem Geländer.

München (). In Deutschland Großstädten haben bereits fast die Hälfte der Haushalte prekär hohe Mietkosten zu tragen. 49,2 Prozent der etwa 8,4 Millionen Haushalte, die in 77 untersuchten Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern zur Miete leben, müssen mehr als 30 Prozent ihres Nettoeinkommens für ihre Warmmiete bezahlen. Das geht aus einer Studie an der Berliner Humboldt-Universität (HU) hervor, die die Hans-Böckler-Stiftung gefördert hat.

„Soziale Ungleichheit hat sich verfestigt“

Der zeitliche Vergleich von 2006 bis 2018 zeige, „dass sich die soziale Ungleichheit im Bereich des Wohnens verschärft und hohe Mietkostenbelastungen verfestigt haben“, stellen die Forscher fest.

Bei der Frage, wie hoch der Anteil der Miete am Einkommen sein darf, orientieren sich Experten häufig an der 30-Prozent-Marke. Liegt die Belastungsquote darüber, gilt dies besonders für Menschen mit geringem Einkommen als problematisch, weil dann für Essen, Kleidung, Freizeit oder Urlaub eher zu wenig übrigbleibt. Auch viele Vermieter sehen es lieber, wenn potenzielle Mieter sicher belegen können, dass die Miete nicht mehr als ein Drittel ihres Einkommens ausmacht.

Das Forscherteam fand nun heraus: 2018 mussten bereits fast 2,2 Millionen Haushalte mit knapp 3,1 Millionen Bewohnern mindestens 40 Prozent ihres Einkommens für die Warmmiete und Nebenkosten (ohne Strom) ausgeben. Ausgewertet wurden für die Untersuchung die neuesten verfügbaren Daten des Mikrozensus.

Mietbelastung im Mittel leicht gesunken

Der Studie zufolge ist aber die mittlere Mietbelastungsquote für alle Mieterhaushalte in den untersuchten 77 Großstädten leicht gesunken. Sie beträgt nun 29,8 Prozent. Vier Jahre zuvor hatte die Quote noch über der 30-Prozent-Überlastungsgrenze gelegen. Das liegt vor allem daran, dass die Einkommen im Mittel stärker gestiegen sind als die Mieten. Wenn Mieten wegen gestiegener Verdienste einen geringeren Teil des Einkommens auffressen, profitierten davon jedoch vor allem Gutverdiener, so der Befund der Wissenschaftler. Ärmere Haushalte hätten hingegen kaum etwas davon.

Geringverdiener leben nicht nur oft in schlechter ausgestatteten Wohnungen. Ihnen steht pro Kopf meist auch weniger Wohnfläche zur Verfügung. Der Anteil ihres Einkommens, den die Miete verschlingt, ist zudem in der Regel höher als bei wohlhabenderen Haushalten.

Knapper geworden sind der Untersuchung zufolge allerdings Wohnungen mit Mietpreisen von unter zehn Euro je Quadratmeter. Deutlich gestiegen ist hingegen das Angebot an Wohnungen, die mehr als 15 Euro pro Quadratmeter kosten. Eine Versorgungslücke gebe es vor allem für Ein-Personen-Haushalte und Haushalte mit geringem Einkommen.

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Autor

Thomas Öchsner