Soziales / 06.10.2020

Studie: Noch 101 Jahre, bis Männer und Frauen gleich verdienen

Der Europäische Gewerkschaftsbund macht wenig Hoffnung auf gleiche Bezahlung von Männern und Frauen. In einem Nachbarland tut sich noch weniger.

Brüssel (dpa). Bis Frauen und Männer EU-weit gleiche Löhne bekommen, könnten einer Berechnung des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB) zufolge in Deutschland noch mehr als 100 Jahre vergehen.

Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen dauere es bis zum Jahr 2121, bis die sogenannte Gender Pay Gap, also die Lohnlücke zwischen dem Verdienst von Frauen und Männern, geschlossen ist, teilte der Gewerkschafts-Dachverband am Montag in Brüssel mit.

Wann die ungleiche Bezahlung zwischen den Geschlechtern bei gleich bleibender Entwicklung in den einzelnen EU-Staaten endet, variiert der Studie zufolge zum Teil deutlich. In Deutschland müssten Frauen noch 101 Jahre warten. Auch in Tschechien würde es so lange dauern. In Frankreich würden sogar mehr als 1000 Jahre vergehen. Im EU-Schnitt seien es 80 Jahre.

Frauen verdienen 20 Prozent weniger

Im vergangenen Jahr lag in Deutschland der durchschnittliche Bruttostundenlohn der Frauen mit 17,72 Euro 20 Prozent unter dem von Männern mit 22,61 Euro, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Damit hat Deutschland eine der höchsten Gender Pay Gaps der EU. 2018 hatte der Unterschied 21 Prozent betragen, und 2014 waren es 22 Prozent.

Der Gewerkschaftsbund beruft sich für seine Berechnung auf Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat. Demnach hat sich die Lohnlücke in den vergangenen acht Jahren im EU-Durchschnitt lediglich um einen Prozentpunkt geschlossen. In Frankreich waren es sogar nur 0,1.

Vorbild Rumänien

In drei EU-Staaten könnte der Lohnunterschied beim fortlaufenden Trend auch schon bis zum Ende dieses Jahrzehnts angeglichen sein. Dazu zählen Rumänien (bis 2022), Luxemburg (bis 2027) und Belgien (bis 2028).

In neun EU-Ländern, darunter etwa Dänemark, Italien und Österreich, würde sich die Lohnlücke erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts schließen. In weiteren neun Staaten ist eine Angleichung noch nicht abzuschätzen, da dort die Verdienst-Spanne weiter auseinander driftet. Dazu zählen etwa Irland, Polen und Portugal.

Autor

 Deutsche Presseagentur