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Studie: Renten sollten im Sommer weniger steigen

Institut der deutschen Wirtschaft schlägt vor, starke Schwankungen bei den nächsten Rentenanpassungen zu vermeiden.

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Frau mit Ordner und Taschenrechner. Bild: IMAGO / Panthermedia / Andrey Popov

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Köln/Bad Homburg (sth). Der Gegensatz ist tatsächlich frappierend. Während bereits 725.000 Betriebe bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) Kurzarbeit angemeldet haben und möglicherweise schon bald mehr als zwei Millionen Beschäftigte statt des regulären Gehalts nur Kurzarbeitergeld erhalten, bekommen die 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner ab dem 1. Juli deutlich höhere Bezüge. Die Renten steigen laut den im März vom Bundesarbeitsministerium (BMAS) veröffentlichten Daten in den alten Ländern um 3,45 Prozent, im östlichen Teil Deutschlands sogar um 4,20 Prozent.

Die starke Rentenerhöhung ist gesetzlich begründet. Denn die Rentenanpassungsformel sorgt dafür, dass die rentenversicherten Ruheständler mit einem Jahr Verzögerung an der Verdienstentwicklung der Beschäftigten teilnehmen. Und im vergangenen Jahr hatten viele der rund 32 Millionen rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer noch erhebliche Gehaltszuwächse verbuchen können. In der aktuellen Corona-Krise wirkt der scharfe Kontrast zwischen Gehälter- und Rentenentwicklung jedoch seltsam unpassend – und dürfte an nicht wenigen Stammtischen für erhitzte Gespräche sorgen.

Nachholfaktor mit veränderter Wirkung

Hier nun setzt ein aktueller Vorschlag des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ein, der zugleich eine Kritik an den 2018 gesetzlich festgelegten "Haltelinien" für Rentenniveau und Rentenniveau enthält. So könne die jährliche Rentenanpassung wegen der Haltelinien "nicht auf aktuelle Herausforderungen" wie die Corona-Krise reagieren. Die Haltelinien sichern bis 2025 ein Rentenniveau von mindestens 48 Prozent und einen Rentenbeitrag von höchstens 20 Prozent. Die eigentlich zeitversetzte Nachwirkung der Krise in einer geringeren Rentenanpassung 2021 sei mit der aktuellen Gesetzesregelung jedoch "in Teilen außer Kraft gesetzt" worden, kritisiert das IW. Deshalb drohe in der Rentenversicherung eine "asymmetrische Lastverteilung auf Kosten der Steuer- und Beitragszahler". 

Um dies zu verhindern, solle der Nachholfaktor in der Rentenanpassungsformel, der eigentlich die wegen der staatlich garantierten Rentenstabilität unterbliebenen Rentenkürzungen nachträglich wieder ausgleichen soll, zeitnah reaktiviert werden, heißt es in der Studie – allerdings mit einer anderen Wirkung als ursprünglich vorgesehen. So solle die Rentenanpassung in diesem Jahr "aufgrund der außerordentlichen Umstände verringert" werden, schlägt IW-Forscher Jochen Pimpertz vor. Sollten in den kommenden Jahren die Löhne wieder steigen, die Renten aber wegen des gesetzlichen Mechanismus stagnieren, könne "das Nachholen der ausgelassenen Rentenerhöhung (von 2020, d. Red.) helfen, die Entwicklung der gesetzlichen Renteneinkommen zu verstetigen", so Pimpertz. 

Ein ungeplanter Anstieg des Rentenniveaus, wie er wegen der in diesem Jahr voraussichtlich stagnierenden Löhne sonst 2021 zu erwarten sei, "könnte so begrenzt werden", begründet das IW seinen Vorschlag.

Mehr zum Thema:

www.iwkoeln.de

IW-Studie zu den Wirkungen einer technisch reduzierten Rentenanpassung 2020 (pdf)  

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