Soziales / 13.03.2020

Sturz auf Rolltreppe – wer ist schuld?

Eine Frau stürzt auf einer Rolltreppe am Flughafen München. Die Schuld gibt sie dafür der Airline. Nun musste ein Gericht entscheiden.

Bild zum Thema Sturz auf der Rolltreppe – wer ist schuld? – Richter klopft mit Richterhammer.

München (dpa/lby). Im Prozess um einen Sturz auf einer Rolltreppe am Flughafen München hat die Klägerin mit der Airline einen Vergleich geschlossen. Sie soll nun 10.000 Euro erhalten. Damit seien alle auch künftigen Ansprüche der Klägerin abgegolten, entschied das Oberlandesgericht (OLG) München am Donnerstag (Aktenzeichen: 23 U 3706/19).

Die Richter sahen bei der Frau eine große Mitschuld – wie auch schon die Vorinstanz, das Landgericht München I. Sie kamen in der Verhandlung der Berufung aber nicht zum gleichen Schluss, nach dem eine Haftung der türkischen Airline Sunexpress durch das Verhalten der Frau entfällt.

Der Fall: Frau mit Knie-Implantat stürzt auf Rolltreppe

Die betagte Frau war im November 2016 vom türkischen Izmir nach München geflogen. Da sie zu dem Zeitpunkt ein Knie-Implantat besaß, hatte sie bei der Airline nach Angaben des Gerichts für den Flug einen sogenannten Wheelchair-Steps-Service gebucht. Die Airline orderte deshalb eine Art Hebetreppe zur Ankunft in München. Da diese letztlich nicht vorhanden war und die Frau nach gewisser Zeit dennoch gebeten wurde, den Verbindungstunnel zwischen Flugzeug und Terminal zu verlassen, begab sie sich demnach auf eine Rolltreppe.

Dort stürzte die Klägerin und zog sich einen Bruch sowie mehrere Prellungen zu. Durch ihre nun eingeschränkte Mobilität wurde sie in Pflegestufe zwei eingestuft. Sie verklagte die Airline auf mindestens 15.000 Euro Schmerzensgeld sowie 8.500 Euro Schadenersatz und wollte, dass die Fluggesellschaft verpflichtet wird, ihr künftige Schäden zu ersetzen. Sie könne etwa ihren Haushalt nicht mehr selbst führen.

OLG sieht Schuld auf beiden Seiten – es kommt zum Vergleich

Die Richter am OLG gaben der Klägerin insofern Recht, dass der Sturz auf der Rolltreppe noch zum Aussteigen aus dem Flugzeug gehörte und deshalb die Airline in Haftung genommen werden kann. Der Frau komme aber eine große Mitschuld zu. Sie habe die Rolltreppe betreten, obwohl sie wusste, dass sie nur auf ebener Strecke gehen kann. Auf dieser Grundlage entschieden sich die Beteiligten für den Vergleich.

Autor

 Deutsche Presseagentur