Finanzen / 13.11.2017

Tatort Berufsunfähigkeitsversicherung

Ein TV-Krimi über eine Versicherung verunsichert. Faktencheck BU-Versicherung.

Dresden (mjj) Ein führender Mitarbeiter einer Versicherung wird in seinem Büro erschossen - ein Fall für das Dresdner Tatort-Team Peter Michael Schnabel (Martin Brambach), Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) am Sonntag in der ARD. An Verdächtigen fehlt es nicht: Unliebsame Konkurrenten im Duell um den Chefposten, Ex-Gebliebte, Ex-Mitarbeiter und natürlich all jene, die von der Versicherung kein Geld erhalten. Mindestens unterschwellig geht es in dem Tatort auch um die reale Versicherungswirtschaft: Zahlt sie wirklich, wenn eine Berufsunfähigkeit eintritt?

Was ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU-Versicherung) kann eine staatliche Erwerbsminderungsrente ergänzen. Letztere zahlt die Deutsche Rentenversicherung, wenn Menschen nicht oder kaum noch arbeiten können. Sie finanziert sich vor allem aus den Beiträgen der sozialversicherungspflichtig Angestellten. Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt zusätzlich eine vertraglich vereinbarte Summe. Je höher die Summe, desto höher ist der jährliche Beitrag des Versicherten. Hinzu kommen Faktoren wie Alter, Vorerkrankungen und die Risikoeinstufung des Jobs. Für einige Berufe und bei Vorliegen bestimmter Vorerkrankungen lehnen Versicherungen den Schutz ab oder verlangen hohe Zuschläge. Rund 30 Prozent der Erwerbstätigenhaushalte verfügen laut Statistischen Bundesamt über eine private Berufsunfähigkeitsversicherung. 

Wie gut ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Laut Stiftung Warentest werden die Angebote besser. Zuletzt hatte die Redaktion in diesem Jahr 74 Angebote untersucht. 31 Angebote erhielten das Label "Sehr Gut". Günstig ist der Versicherungsschutz allerdings nicht. Für eine Berufsunfähigkeitsrente müsste ein 25-jähriger Industriemechaniker beim günstigsten Versicherer rund 900 Euro pro Jahr zahlen. Die Stiftung Warentest rät Arbeitnehmern zu einem möglichst frühzeitigen Abschluss, da Antragsteller zu diesem Zeitpunkt in der Regel noch keine dicke Krankenakte haben. 

Gibt es eine "schwarze Liste"?

Im Tatort wird erzählt dass es eine - wie auch immer ausgestaltete - schwarze Liste gibt. Real ist das "Hinweis- und Informationssystem (HIS)" des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Diese Datenbank soll Versicherungsbetrug bekämpfen und ist nicht allein auf BU-Versicherungen zugeschnitten. Was genau gespeichert wird, ist nicht öffentlich. Interessierte können aber eine Selbstauskunft einholen (www.informa-his.de).

Fakt ist aber, dass auch abgelehnte Anträge gespeichert werden. Wer also einmal keinen Versicherungsschutz erhielt, läuft Gefahr bei einer anderen Versicherung ebenfalls zu scheitern. 

Ist die Zahlungsmoral der Versicherungen tatsächlich schlecht?

Im Tatort heißt es, dass rund 60 Prozent der Leistungsanträge abgelehnt würden. Der GDV legt in einer Pressemitteilung Einspruch ein. Mitnichten sei die Zahlungsmoral der Versicherungen schlecht: "Bei 77 Prozent der rund 62.000 Leistungsanträge des Jahres 2014 wurde ein Leistungsfall festgestellt – und in der Folge geleistet."

Wie komme ich zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung?

Es gibt zwei Gründe, warum Interessierte sich vor Abschluss einer BU-Versicherung beraten lassen sollten: Erstens gehört die Police zu den teuersten Versicherungen für Privathaushalte. Zweitens sind sie kompliziert getsrickt: Es gibt zahlreiche Varianten, Modelle und Anbieter. Die Wahl des richtigen Angebots kann mehrere Hundert Euro im Jahr einsparen.  

Wichtig ist auch das Ausfüllen der Antragsformulare: Vor allem wenn gesundheitliche Einschränkungen oder Vorerkrankungen nicht oder unvollständig angegeben werden, läuft der Versicherte Gefahr, dass im Leistungsfall die Versicherung die Zahlung der vereinbarten Rente ablehnt.

Beratungen bieten die Verbraucherzentralen an (www.verbraucherzentrale.de). Ausführliche Informationen und bietet auch die Stiftung Warentest an (www.test.de, zum Teil kostenpflichtig).

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Autor

Michael J. John