Soziales / 13.12.2018

Top-Chancen auf Ausbildungsplatz

Doch zugleich werden Menschen mit Migrationshintergrund oder Bewerber mit Hauptschulabschluss immer noch benachteiligt, beklagt die IG Metall.

Lachende Gruppe jugendlicher Schüler sitzen im Freien und schauen zusammen in ein Heft. – Bildnachweis: wdv.de © Szekely, Oana

Berlin/Bonn (dpa). Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind derzeit so gut wie lange nicht mehr. Auf 100 Ausbildungssuchende kamen nach einer am Mittwoch vorgelegten Bilanz des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) im laufenden Jahr rund 97 Angebote. Insgesamt sei das betriebliche Angebot damit gegenüber dem Vorjahr um 17.800 Ausbildungsplätze beziehungsweise um 3,2 Prozent gestiegen. Es erreichte mit 574.200 eine seit 2009 nicht mehr übertroffene Höchstmarke. Gleichzeitig stieg die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze um 17,7 Prozent weiter an.

Vor allem unter jungen Männern sei es gelungen, Interessenten für eine Berufsausbildung auch außerhalb der aktuellen Schulabgängerjahrgänge zu finden. Dazu zählten etwa männliche Abiturienten, die im Schnitt schlechtere Abiturnoten erzielten als junge Frauen, ebenso wie männliche Studienabbrecher. Auch unter Migranten fänden sich viele junge Männer.

Drohender Fachkräftemangel und mögliche Maßnahmen

Angesichts einer steigenden Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze warnte BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser jedoch vor einem drohenden Fachkräftemangel. DIHK-Präsident Eric Schweitzer rief dazu auf, mit Vorurteilen in den Köpfen vieler Schüler und Eltern aufzuräumen und die berufliche Bildung als interessante Alternative zum Studium herauszustellen.

Ungleiche Chancenverteilung

Als geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall beklagte Hans-Jürgen Urban, dass junge Menschen mit Hauptschulabschluss oder Migrationshintergrund immer noch erhebliche Nachteile am Ausbildungsmarkt hätten. „Wer Fachkräfte will, muss bereit sein, allen eine Chance zu geben“, sagte er.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnte vor einem zunehmenden „Zerfall des Ausbildungsmarktes in parallele Welten“. „Während die Zahl der unbesetzten Plätze steigt, hängen die Ausbildungschancen der Jugendlichen noch immer stark von ihrem Wohnort, ihrem Schulabschluss und ihrem Pass ab“, sagte DGB-Vize Elke Hannack dem „Handelsblatt“.

Es dürfe nicht zugelassen werden, „dass in Oberhausen, Bochum, Hameln, Flensburg oder Nordbrandenburg eine abgehängte Generation heranwächst“. In diesen Regionen müsse der Staat ergänzend zur betrieblichen Ausbildung auch außerbetriebliche Plätze anbieten.

Der neue Beruf E-Commerce-Kaufmann ist hoch begehrt

Der anhaltende Online-Boom im deutschen Einzelhandel sorgte unterdessen für einen Ansturm auf die erstmals angebotene Ausbildung zum E-Commerce-Kaufmann. Knapp 1.400 Verträge seien im laufenden Ausbildungsjahr 2018/19 für den neuen Beruf abgeschlossen worden, berichtete der Handelsverband Deutschland (HDE) in Berlin.

Autor

 Deutsche Presseagentur