Soziales / 30.04.2019

Über drei Millionen Deutsche verdienen trotz Vollzeit unter 2.000 Euro

Geringqualifizierte kommen mit ihren Einkommen oft nicht weit. Aber sie stehen mit vergleichsweise geringen Löhnen nicht allein da.

Bild zum Thema Geringverdiener in Deutschland: Frau hält Geldscheine in den Händen.

Berlin (dpa). Rund 3,38 Millionen Vollzeitbeschäftigte in Deutschland haben im Monat zuletzt weniger als 2.000 Euro brutto verdient. Nach den jüngsten offiziellen Daten Ende 2017 waren das 16 Prozent, wie eine der Deutschen Presse-Agentur vorliegende Antwort des Bundessozialministeriums auf eine Anfrage der Linken zeigt. Die Abgeordnete Sabine Zimmermann hatte anlässlich des Tages der Arbeit am 1. Mai danach gefragt.

In Westdeutschland kamen 2,32 Millionen Vollzeitbeschäftigte (13,5 Prozent) auf weniger als 2.000 Euro brutto, in Ostdeutschland 1,06 Millionen (27,5 Prozent).

Die höchsten Anteile hatten mit 32,6 Prozent Mecklenburg- Vorpommern und mit 30,2 Prozent Thüringen – die niedrigsten mit 11,4 Prozent Baden-Württemberg und mit 11,5 Prozent Hamburg.

Große Branchenunterschiede

Die Branchenunterschiede sind groß. Das zeigt eine weitere der dpa vorliegende Antwort, die das Sozialministerium unabhängig davon auf eine kleine Anfrage des AfD-Abgeordneten René Springer gegeben hat: So bildeten bei den hauptsächlichen Berufsgruppen die Beschäftigten der Reinigungsberufe mit einem mittleren Bruttoeinkommen von 1.861 Euro Ende 2017 das Schlusslicht – gefolgt von den Arbeitnehmern im Tourismus, bei Hotels und Gaststätten mit 1.961 Euro.

Es folgen die Land-, Tier- und Forstwirtschaftsberufe mit 2.154 Euro für die Beschäftigten im Mittel, die Lebensmittelherstellung und -verarbeitung mit 2.165 Euro, die nichtmedizinischen Gesundheits- und Pflegeberufe mit 2.353 Euro und die Berufe im Verkauf mit 2.411 Euro. Am oberen Ende der Skala sind die Angehörigen der Informatik- und IT-Berufe mit im Mittel 4.926 Euro brutto im Monat.

Schlechte Aussichten für Geringqualifizierte

Geringqualifizierte verdienen dabei deutlich weniger: So verdienten vollzeitbeschäftigte Helfer in Hotels und Gaststätten in Ostdeutschland im Jahr 2017 im Mittel nur 1.610 Euro und dort in Reinigungsberufen nur 1.633 Euro. In Westdeutschland sind zudem Helfer bei Sicherheitsdiensten mit im Mittel 1.768 Euro im unteren Bereich der Skala.

Nicht jede Fachkraft verdient automatisch viel Geld

Aber auch ein hohes Anforderungsniveau schützt nicht in allen Branchen vor vergleichsweise niedrigem Einkommen: So kommen in Ostdeutschland Fachkräfte in der Werbung nur auf 1.902 Euro im Mittel und Spezialisten in Gartenbau und Floristik auf 2.201 Euro. Fachkräfte insgesamt verdienen im Mittel im Westen 3.098 Euro und im Osten 2.375 Euro.

Die Linke fordert Erhöhung des Mindestlohns

„Viel zu viele Beschäftigte werden mit Niedriglöhnen abgespeist“, sagte Zimmermann. So sorgten Inflation und vielerorts explodierende Mieten dafür, dass man mit unter 2.000 Euro brutto nicht mehr weit komme. „Es ist ein Skandal, dass insbesondere der Osten weiterhin so deutlich abgehängt ist“, so die Arbeitsmarktexpertin ihrer Fraktion.

Von der Bundesregierung forderte Zimmermann unter anderem eine Erhöhung des Mindestlohns von 9,19 Euro auf 12 Euro und die Abschaffung von Leiharbeit.

Der Tag der Arbeit ist ein Tag der Demonstrationen

Zum Tag der Arbeit am 1. Mai tritt die Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung traditionell für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne ein. Er wird seit fast 130 Jahren begangen. In Deutschland gab es am 1. Mai 1890 erstmals Massendemonstrationen. Damals wurde der Acht-Stunden-Tag gefordert.

In diesem Jahr stellt der Deutsche Gewerkschaftsbund die Kundgebungen unter das Motto: „Europa. Jetzt aber richtig!“ Dabei will der DGB auch für Mindestlöhne eintreten, die je nach Lohnniveau der Mitgliedsstaaten vor Armutsrisiko schützen sollen.

Gute Löhne sorgen für gute Renten

Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK Deutschland, Verena Bentele, warnte vor den Folgen niedriger Löhne auch für die Alterssicherung. „Gute Löhne sorgen für gute Renten. Die Politik muss endlich handeln, damit aus den armen Beschäftigten von heute nicht die armen Rentner von morgen werden“, erklärte sie. Um Altersarmut vorzubeugen, müsse der Mindeststundenlohn auf mindestens 12,80 Euro angehoben werden. Zudem müssten prekäre Beschäftigungsverhältnisse wie Minijobs sowie Leih- und Zeitarbeit eingedämmt werden, betonte Bentele.

Weitere Informationen

www.dgb.de
DGB hzum 1. Mai 2019

Autor

 Deutsche Presseagentur