Soziales / 11.09.2020

Umfrage: Angst vor Arbeitslosigkeit wächst

Die jährliche Umfrage der R+V-Versicherung lotet die Ängste der Bundesbürger aus. Oben auf der Liste: US-Präsident Trump – aber auch Arbeitslosigkeit.

Menschenmenge läuft eine Straße entlang. Bildnachweis: fotolia.com © Pavlo Vakhrushev

Berlin/Wiesbaden (dpa/iv). US-Präsident Donald Trump jagt den Bundesbürgern nach einer repräsentativen Umfrage noch immer die meiste Angst ein. Mehr als die Hälfte der 2.400 Befragten (53 Prozent) urteilte im Juni und Juli, dass Trumps Politik die Welt gefährlicher mache. Aber auch die Angst vor steigenden Arbeitslosenzahlen wächst. Das geht aus der jährlichen Umfrage „Die Ängste der Deutschen“ der R+V-Versicherung hervor, die am Donnerstag in Wiesbaden vorgestellt wurde.

Seit Corona ist Arbeitslosigkeit wieder ein Angstthema

Arbeitslosigkeit war in den zurückliegenden Jahren des Wachstums eine der geringsten Sorgen. Doch 2020 rütteln Anzeichen einer bevorstehenden Insolvenzwelle viele Deutsche auf. Weit mehr Befragte als 2019 befürchten, dass die Arbeitslosenzahlen in Deutschland steigen (40 Prozent, plus zwölf Prozentpunkte).

Eine realistische Einschätzung, so Manfred G. Schmidt, Politikwissenschaftler an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. „Die Befragten registrieren aufmerksam, dass die Arbeitslosenquote in diesem Jahr erstmals seit 2013 wieder gestiegen ist – trotz der milliardenschweren Liquiditätshilfen der Bundesregierung für Unternehmen. Und die Befragten wissen, dass in Deutschland – anders als in vielen anderen Staaten – die Kurzarbeit einen stärkeren Anstieg der Arbeitslosenzahlen verhindert hat.“

Auffällig: Den eigenen Job zu verlieren, befürchtet wie im Vorjahr lediglich jeder vierte Berufstätige. „Diese Spreizung überrascht auf den ersten Blick. Aber das Rätsel lässt sich lösen“, erläutert Schmidt. „Von einer gesamtwirtschaftlich zunehmenden Arbeitslosenquote sind nicht alle Befragten gleichermaßen betroffen. Entlassungen treffen derzeit überwiegend Arbeitnehmer, die in durch die Corona-Krise stark angeschlagenen Branchen arbeiten, wie beispielsweise bei Reiseveranstaltern, in Kulturbetrieben oder in der Gastronomie.“

Angst vor Zuwanderung im Osten erheblich stärker

In der Rangliste der Top-Ängste folgen nach Trump die Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten (51 Prozent) und den Kosten für Steuerzahler durch die EU-Schuldenkrise (49 Prozent).

Die Sorge vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus gab es seltener. Nur rund ein Drittel der Befragten (32 Prozent) hatte davor Angst. Auch innenpolitische Bedenken, zum Beispiel beim Thema Zuwanderung, gingen im Vergleich zu den Vorjahren zurück, rangieren aber mit 43 Prozent weiterhin unter den zehn größten Ängsten. In Ostdeutschland ist diese Sorge dabei erheblich spürbarer als im Westen der Republik.

Weitere Informationen

www.ruv.de
Umfrage der R+V-Versicherung "Die Ängste der Deutschen"

Autor

 Deutsche Presseagentur