Rente / 20.10.2021

Umfrage: Mehr als die Hälfte will vor 63 in Rente gehen

Nach Angaben des Vereins Demographie Netzwerk will nur jeder Achte bis zum künftigen gesetzlichen Rentenalter von 67 Jahren arbeiten.

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Berlin (sth). Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen will laut einer aktuellen Umfrage vor dem 63. Lebensjahr aus dem Erwerbsleben ausscheiden. 53 Prozent der Beschäftigten und Selbstständigen planen der Erhebung im Auftrag des Vereins Demographie Netzwerk zufolge, bereits vor der derzeitigen Mindestaltersgrenze für eine gesetzliche Altersrente den Job an den Nagel zu hängen. Allerdings gehe auch gut jeder Zweite "davon aus, dass später in der Rente das Geld nicht ausreichen wird", heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung des Vereins. Das Demographie Netzwerk e. V. (ddn) ist nach eigenen Angaben ein gemeinnütziges Netzwerk von Unternehmen und Institutionen, die den demographischen Wandel als Chance begreifen und aktiv gestalten wollen. 

Der Umfrage zufolge will nur jeder achte Erwerbstätige bis zum künftigen gesetzlichen Rentenalter von 67 Jahren berufstätig bleiben. Dabei nehme die gewünschte Altersgrenze mit steigendem Lebensalter zu: Während fast 60 Prozent der 18- bis 29-Jährigen bereits mit 61 Jahren oder früher in Rente gehen wollten, würden ältere gut, qualifizierte Beschäftigte auch gern länger arbeiten, so das ddn. Einfluss auf die gewünschte Altersgrenze habe dabei neben der Berufsausbildung auch die berufliche Stellung, das Geschlecht und die Anzahl der Kinder.

Fast drei Viertel der Befragten glauben, nicht bis 67 arbeiten zu können

Trotz der bereits 2007 gesetzlich beschlossenen Altersgrenzenanhebung halten sich laut der Umfrage fast drei Viertel der befragten Erwerbstätigen "für geistig und körperlich nicht in der Lage, bis 67 oder länger zu arbeiten". Etwas mehr als die Hälfte erwarte, schon bis zum Alter von 65 nicht mehr in der Lage zu sein, weiter zu arbeiten. Auch hier zeigten sich "klare Unterschiede nach Ausbildung und beruflicher Stellung", heißt es in der Auswertung der Umfrageergebnisse. Unter Arbeiterinnen und Arbeitern fühlen sich demnach über 90 Prozent nicht in der Lage, länger als 65 zu arbeiten. Bei den Befragten mit Studienabschluss halte sich dagegen "ein Viertel für fit genug, auch über das 69. Lebensjahr hinaus arbeiten zu können".

"Die Ergebnisse unsere Umfrage zeigen, dass wir trotz vielfacher wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Arbeitswelt noch immer nicht ausreichend auf den demografischen Wandel vorbereitet sind. Die Wucht dieses gesellschaftlichen Umbruchs wird Unternehmen in den nächsten fünf Jahren voll treffen", erklärte ddn-Vorstandsmitglied Frank Böhringer bei der Präsentation der Umfragezahlen. Die Ergebnisse zeigten aber auch, dass vor allem die Arbeitsbedingungen ein wichtiger Ansatzpunkt für Politik und Unternehmen" seien, ergänzte Hans Martin Hasselhorn, Leiter des Fachgebiets für Arbeitswissenschaft an der Bergischen Universität Wuppertal. Wenn die Menschen länger arbeiten sollten, müssten "die Arbeitsbedingungen vielerorts verbessert werden". "Nach unseren Berechnungen hat jeder dritte Babyboomer in Deutschland schlechte Arbeit. Das darf nicht länger toleriert werden", sagte Hasselhorn.

Mehr zum Thema

      • Informationen über das Demografie Netzwerk (ddn) 
      • Hintergrund der Umfrage: Für den Demographie-Index hat das Marktforschungsunternehmen Civey im Auftrag von ddn 2.500 Erwerbstätigte im Zeitraum vom 30.09.2021 bis 01.10.2021 im Rahmen einer Online-Umfrage befragt. Die Erhebung hat insgesamt vier Fragen mit zwölf sozioökonomischen Faktoren wie Alter, Bildung, berufliche Stellung, Familienstand etc. verknüpft.
      Autorenbild

      Autor

      Stefan Thissen