Rente / 20.11.2018

Ungleichheit bei Altersrenten nimmt zu

Rentenansprüche von Männern mit geringen Erwerbseinkünften sind seit 1993 im Schnitt gesunken, von Gutverdienern ab 2006 gewachsen.

Berlin/Bad Homburg (sth). Die Rentenansprüche von Männern sind sowohl in Westdeutschland als auch in den neuen Ländern zunehmend ungleich verteilt. Während die unteren Einkommensgruppen aufgrund gesunkener Einkünfte im Erwerbsleben bei Rentenbeginn bundesweit immer weniger Entgeltpunkte (EP) auf ihrem Rentenkonto haben, können vor allem westdeutsche Männer in den oberen Einkommensgruppen steigende Alterseinkünfte erwarten. Die Ungleichheit der EP-Werte und damit der Rentenauszahlungen "durch sinkende Niedrigrenten und steigende Höchstrenten" habe in den alten Bundesländern seit den 1990er-Jahren zugenommen, heißt es im jetzt veröffentlichten "Datenreport 2018" des Statistischen Bundesamts.

Hätten männliche westdeutsche Neurentner in der untersten Einkommensgruppe im Jahr 1993 noch gut ein Fünftel der Bezüge der am besten gestellten Rentner erhalten, sei dieser Anteil bei neuen Rentnern des Jahres 2016 mit "9 Prozent deutlich niedriger" gewesen, stellt der von dem Berliner Soziologen Ralf Himmelreicher verfasste Abschnitt zur Entwicklung der Renten fest. In den untersten drei der insgesamt zehn Rentner-Einkommensgruppen sei die Zahl der EP zwischen 1993 und 2016 "um bis zu zehn" zurückgegangen. Ein EP ist der Rentenanspruch eines Durchschnittsverdieners nach einem Jahr Beitragszahlungen an die Rentenversicherung. Er bringt derzeit eine Monatsrente von etwa 32 Euro in den alten und 30,70 Euro in den neuen Ländern.     

Niedrige Löhne – kurze Erwerbsbiografien

Ursache der bei vielen Männern – besonders auch in den neuen Bundesländern – gesunkenen Rentenansprüche sind nach Angaben des Datenreports "neben niedrigen Löhnen oftmals ... kurze versicherungspflichtige Erwerbsbiografien". Davon betroffen seien vor allem Selbstständige, Langzeitarbeitslose und Geringverdiener sowie erst in der späteren Erwerbsphase nach Deutschland eingereiste Zuwanderer. In Ostdeutschland seien die Rentenansprüche der Männer umso niedriger, je kürzer die noch auf DDR-Versicherungszeiten basierenden Erwerbsbiografien ausfielen, heißt es in dem Bericht. 

Eine deutlich andere Entwicklung ist dem Datenreport zufolge bei den Frauen festzustellen. Zwar seien bei Neurentnerinnen in Westdeutschland die Rentenansprüche im Schnitt auch im Jahr 2016 noch immer deutlich geringer als bei Frauen in den neuen Ländern. Doch würden im Westen immer mehr Frauen durch zunehmende Erwerbstätigkeit und höhere Einkommen auch höhere Renten erzielen. Hierzu beigetragen habe nicht zuletzt die sogenannte Mütterrente, die ab Juli 2014 vielen Frauen eine höhere Rente oder überhaupt erst einen Rentenanspruch ermöglicht habe, heißt es in dem Bericht. Dennoch verfügten im Westen immer noch viele Neurentnerinnen "nur über sehr niedrige individuelle Anwartschaften, die unterhalb der Grundsicherungsschwelle liegen".

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Link zum Datenreport 2018 des Statistischen Bundesamts

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Autor

Stefan Thissen