Finanzen / 15.01.2021

Verbraucherschützer rechnen nicht mit baldiger Riester-Reform

Die Bundesregierung will die staatlich geförderte Altersvorsorge reformieren – und zwar noch in dieser Wahlperiode. Eigentlich.

Verbraucherschützer rechnen nicht mit baldiger Riester-Reform. – Riester Rente in dreidimensionalen Lettern in rot und weiß.

Berlin (iv). Der Verbraucherzentrale Bundesverband rechnet nicht mehr mit einer Reform der Riester-Rente vor den Bundestagswahlen. „Dass das vor den Wahlen im Herbst nicht mehr kommt, dürfte inzwischen klar sein", sagte Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzmarkt, gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Verbraucherschützer sind seit langem mit der Riester-Rente unzufrieden. „Bei Riester halten zu viele die Hand auf“, beklagt Mohn. Soll heißen: Versicherungen kassieren ab und schmälern so die Rendite ihrer Kunden. Immerhin habe sich bislang die Versicherungswirtschaft mit ihren Reformvorschlägen nicht durchgesetzt.

Modell „Extrarente“: Alternative zur Riester-Rente?

Die Verbraucherzentralen favorisieren seit Jahren ein eigenes Modell, die „Extrarente“. Das Konzept basiert auf einem staatlich verwalteten, kapitalgedeckten Vorsorgeprodukt. Ohne Vertriebskosten, aber auch ohne Kapitalgarantie. Das soll die Rendite stärken. Mohn sieht nun die Chancen für die Extrarente steigen.

Allerdings ist auch dieses Modell umstritten. Kritiker weisen darauf hin, dass Aufbau und Verwaltung auch bei der Extrarente Kosten verursache. Neben der Garantie, dass mindestens das eingezahlte Kapital zu Rentenbeginn zur Verfügung steht, fehlt zudem eine Absicherung für den Fall einer Erwerbsminderung. Eine Analyse der Deutschen Rentenversicherung kam deshalb 2019 zu dem Schluss: Die Extrarente ist „kein wirkungsvoller Beitrag zur Bekämpfung der Altersarmut“.

Seitdem haben die Verbraucherzentralen ihre Vorschläge konkretisiert und mit Gutachten untermauert. Die Rentenkommission der Bundesregierung mochte trotzdem der Extrarente noch im März 2020 keine klare Empfehlung aussprechen. Auch wenn die Experten den Abschied von der Kapitalgarantie für richtig halten – in ihrem Abschlussbericht haben sie es vermieden, sich für eine bestimmte Riester-Alternative auszusprechen.

Mohn hofft, dass Rente und Altersvorsorge im Bundestagswahlkampf zum Thema werden. Das System der gesetzlichen Rentenversicherung müsse „so stabil und umfassend wie möglich“ geregelt werden. Bei der zusätzlichen Altersvorsorge müsse jeder Euro in guten und renditestarken Produkten landen.

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Autor

Boris Dunkel