Finanzen / 06.08.2019

Verdienst in Deutschland klafft deutlich auseinander

Beim Einkommen sind die Unterschiede zwischen Ost und West weiter groß. Doch es hat sich auch etwas verändert.

Bild zum Thema Verdienst in Deutschland klafft deutlich auseinander: Fabrikhalle Automobilherstellung.

Berlin (dpa). Die Verdienste der Arbeitnehmer in Deutschland unterscheiden sich weiter von Region zu Region erheblich. Die 60 Landkreise und Städte mit den bundesweit niedrigsten Verdiensten liegen in Ostdeutschland. Auch im vergangenen Jahr verdienten Vollzeitbeschäftigte im sächsischen Landkreis Görlitz am wenigsten, nämlich 2.272 Euro brutto im Mittel. Das zeigen aktuelle Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA), die die Linke im Bundestag ausgewertet hat und die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorlagen.

Höchster Verdienst in Städten mit Automobilherstellern

Auch an der Spitze änderte sich das Bild nicht: Im bayerischen Ingolstadt wurde mit 4.897 Euro brutto im Mittel am meisten verdient. In den vier Städten und Kreisen mit den höchsten Einkommen erhielten die Beschäftigten im Mittel mehr als das Doppelte als in den vier Kreisen mit den niedrigsten Verdiensten. Am oberen Ende standen neben Ingolstadt Wolfsburg (4.893 Euro), Erlangen (4.787 Euro) und Böblingen (4.743 Euro). Knapp vor Görlitz lagen der Erzgebirgskreis (2.301 Euro), Vorpommern-Rügen (2.303 Euro) und das Altenburger Land in Thüringen (2.308 Euro).

Immer noch starkes Ost-West-Gefälle

Insgesamt bleiben die östlichen Bundesländer deutlich unter dem Niveau des Westens, wenn sie auch leicht aufholten, wie eine weitere Auswertung der BA-Daten durch die AfD zeigt. So stieg das mittlere Einkommen in den alten Ländern von 3.339 Euro 2017 auf 3.434 Euro im vergangenen Jahr. Das war ein Plus um 2,85 Prozent. In den neuen Bundesländern legte der mittlere Verdienst um 4,88 Prozent auf 2.707 Euro zu.

Die Bundesländer im Vergleich

An der Spitze der Länderstatistik steht Hamburg (3.718 Euro im Mittel), gefolgt von Baden-Württemberg (3.651 Euro), Hessen (3.593 Euro), Bremen (3.475 Euro), Bayern (3.449 Euro), dem Saarland (3.392 Euro), Nordrhein-Westfalen (3.391 Euro), Rheinland-Pfalz (3.265 Euro), Berlin (3.242 Euro), Niedersachsen (3.175 Euro) und Schleswig-Holstein (3.045 Euro).

In Sachsen-Anhalt betrug das mittlere Einkommen 2.595 Euro, es folgen Brandenburg (2.593 Euro), Sachsen (2.587 Euro), Thüringen (2.553 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern mit 2.496 Euro.

In Hamburg verdienten nur 40 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten weniger als das bundesweite Mittel von 3.304 Euro – in Mecklenburg-Vorpommern 73 Prozent.

Abgehängte Regionen im Osten und Westen

Die Linke-Arbeitsmarktexpertin Sabine Zimmermann nannte es „beschämend“, dass es in Ostdeutschland flächendeckend niedrigere Löhne gebe. Aber auch im Westen existierten abgehängte Regionen, sagte sie der dpa. Nötig sei unter anderem die Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro die Stunde und die Abschaffung von Niedriglohnbeschäftigung in Form der Leiharbeit.

Der AfD-Arbeitsmarktpolitiker René Springer meinte, der Aufbau Ost sei zum Stillstand gekommen und benötige einen Neustart. Er forderte die Bundesregierung auf, einen parteiübergreifenden Sondergipfel für Wirtschaft, Wachstum und soziale Sicherheit in Ostdeutschland einzuberufen.

Im Osten fehlen Großunternehmen

Zu den Gründen für die Unterschiede gibt die Statistik keine Auskunft. Doch der jüngste Bericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit verweist unter anderem darauf, dass nahezu kein Großunternehmen seine Zentrale in Ostdeutschland habe. Auffällig ist, dass die Audi-Stadt Ingolstadt und die Volkswagen-Stadt Wolfsburg an der Spitze der Einkommensskala stehen.

Autor

 Deutsche Presseagentur