Finanzen / 14.05.2018

Viel Papier, hohe Kosten

Ein Spiegel-Reporter macht den Test: Wie gut beraten Kreditinstitute ... und wie viel Papier muss er nun stapeln?

Hamburg (mjj) Die Europäische Union hat aus der Finanzkrise gelernt: Wer heute Sparer in Anlagedingen beraten will, muss qualifiziert sein und die Beratung dokumentieren. Grundlage seines Tuns ist die Richtlinie "Markets in Financial Instruments Directive 2" (Mifid II). Doch wird die Beratung dadurch besser? Nicht unbedingt, wie Henning Jauernig, Wirtschaftsredakteur bei Spiegel Online in einem lesenswerten Selbsttest erfahren muss.

Beratung und Verkauf trennen

Er will Geld in Aktien anlegen und lässt sich von einer Großbank und einer Sparkasse beraten. Tatsächlich wird einiges abgefragt: Seine Einkommensverhältnisse, Vorerfahrungen mit Investmentfonds, die Risikoneigung. Bei so viel Akribie wird es doch eine gute Empfehlung geben, oder?

"Das Standardrepertoire der Berater besteht aus teuren Aktienfonds, die hohe Ausgabenaufschläge und hohe laufende Kosten haben. Denn damit verdienen Banken und Berater am meisten", schreibt Jauernig. Kostengünstige Indexfonds seien erst gar nicht erwähnt worden. Dafür hat er aber Hunderte Seiten Papier erhalten. 

Machen es andere Nationen besser? Jauernig blickt nach Großbritannien: Dort werden Beratung und Verkauf getrennt. Kunden bezahlen für die Beratung zu Investmentfonds, erhalten dann aber auch wirklich unabhängige Beratung.