Rente / 04.08.2020

Viele Rentner würden im Alter gern mehr arbeiten

IAB-Studie: Zahl der Beschäftigten zwischen 60 und 64 Jahren ist deutlich gestiegen – doch im Rentenalter bleibt mancher Arbeitswunsch unerfüllt.

Bild zum Beitrag "Viele Rentner würden im Alter gern mehr arbeiten". Das Bild zeigt eine ältere Arbeiterin in einer Werkstatt mit Stoffen.

Nürnberg (iab/sth). Die Erwerbsbeteiligung von Arbeitnehmer*innen über 60 Jahren ist in Deutschland In den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Laut einer jetzt veröffentlichten Analyse des Instituts für Arbeitsmarkts- und Berufsforschung (IAB) bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) wuchs der Anteil der Erwerbstätigen zwischen 65 und 69 Jahren von 2006 bis 2019 von 6,6 auf 17,9 Prozent. In der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen sei der Anteil im selben Zeitraum von 29,7 Prozent auf 61,7 Prozent gestiegen, heißt es in der IAB-Studie unter Verweis auf eine europäische Stichprobenerhebung zur Erwerbstätigkeit (European Labor Force Survey).

Aufschluss über die Motive für eine Erwerbstätigkeit von Rentnerinnen und Rentnern geben demnach Daten aus dem Nationalen Bildungspanel (NEPS), die vom IAB ausgewertet wurden. Im Mittelpunkt dieser Studie standen laut IAB Personen im Alter von 58 bis 71 Jahren, die zwischen 2012 und 2018 befragt wurden und seit höchstens drei Jahren eine gesetzliche Altersrente oder Rente aus einem vergleichbaren Alterssicherungssystem bezogen hatten.

Rentenbeginn oft "unfreiwillig früh"

Trotz des generell höheren Rentenalters scheine der Renteneintritt für viele ältere Erwerbstätige aber immer noch "unfreiwillig früh zu erfolgen", stellen die IAB-Forscher fest. In der NEPS-Erwachsenenbefragung seien alle Rentnerinnen und Rentner, die bis unmittelbar vor Rentenbeginn erwerbstätig waren – ca. 55 Prozent der Frauen und 68 Prozent der Männer – gefragt worden, ob sie tatsächlich zu diesem Zeitpunkt in Rente gehen wollten. 21 Prozent der Frauen und 16 Prozent der Männer wären demnach gern länger ihrer bisherigen Tätigkeit nachgegangen, hätten also den Zeitpunkt des Übergangs in die Rente gerne später vollzogen. 

Unfreiwillige Nichterwerbstätigkeit betreffe "sowohl Frauen als auch Männer, die bis zum Renteneintritt erwerbstätig waren, überproportional häufig", schreibt das IAB. Deren Anteil liege bei jeweils 17 Prozent. Für eine größere Rentnergruppe gelte also, "dass der Zeitpunkt des Renteneintritts entweder unfreiwillig früh erfolgte oder aber ein zum geplanten Renteneintritt gehegter Erwerbswunsch nicht umgesetzt wurde", heißt es in der Studie. Insbesondere Frauen ohne Partner und Frauen aus der untersten Einkommensgruppe seien vielfach "unfreiwillig ohne Job". Ihr hoher Anteil lasse "vermuten, dass vor allem diese Frauen auf zusätzliches Erwerbseinkommen angewiesen sind", so das IAB

Mehr zum Thema:

www.iab-forum.de

IAB-Studie zum (un-)erfüllten Wunsch vieler Rentnerinnen und Rentner nach einer Erwerbstätigkeit im Alter

Autorenbild

Autor

Stefan Thissen