Gesundheit / 04.08.2020

Volkskrankheit Rheuma: mehr als nur Gelenkschmerzen

Millionen Menschen leiden unter Rheuma. Dabei können die Krankheitsbilder ganz unterschiedlich sein. Was bei Arthritis und Arthrose hilft.

Hand einer älteren Person wird von Frauenhänden massiert.

Berlin/Bonn (dpa/tmn). Rheuma ist nicht gleich Rheuma. „Der Begriff umfasst sehr viele unterschiedliche Erkrankungen und bedeutet eigentlich Schmerzen im Bewegungsapparat“, sagt der Internist und Rheumatologe Prof. Stefan Schewe. Ganz grob lasse sich zwischen entzündlichen und nicht entzündlichen Erkrankungen unterscheiden.

Dazu kommen Schmerzempfindungsstörungen, das Fibromyalgiesyndrom zum Beispiel. Die genauen Ursachen dieser Erkrankung sind nicht bekannt. Die Patienten klagten über wechselnde Schmerzen, schildert Schewe. Meist würden sie mit Antidepressiva und Psychotherapie behandelt. Auch Gicht oder Osteoporose zum Beispiel zählen laut Deutscher Rheuma-Liga zu Formen des Rheumas.

Was ist rheumatoide Arthritis?

Wer von Rheuma spricht, meint oft die rheumatoide Arthritis: Dann sind die Gelenke entzündet. „Meist fängt es in den Fingern oder Zehen an“, sagt der Internist Edmund Edelmann aus Bad Aibling (Bayern). Im weiteren Verlauf könnten jedoch sämtliche Gelenke betroffen sein.

„Durch die Entzündung kann ein Gelenk zerstört werden, wenn nichts unternommen wird“, warnt Stefan Schewe, der auch als medizinischer Berater für die Deutsche Rheuma-Liga tätig ist.

Nach Angaben von Prof. Hanns-Martin Lorenz, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, können die Entzündungen bei vielen rheumatischen Erkrankungen nicht nur in den Gelenken, sondern an den verschiedensten Stellen auftreten – von Gefäßen über Haut, Augen, Gehirn, Darm bis hin zur Muskulatur. Haarverlust könne ebenfalls Teilsymptom einer rheumatischen Erkrankung sein.

Patienten mit rheumatoider Arthritis haben nachts oft Schmerzen. „Wenn man morgens aufwacht, ist man ganz verklebt und steif“, sagt Lorenz. Durch Bewegung würde es im Laufe des Tages wieder besser. Erschöpfung und Müdigkeit gehören zum Krankheitsbild dazu.

Arthritis und Arthrose: Wo ist der Unterschied?

Anders als die rheumatische Arthritis ist die Arthrose nicht entzündlich. Hier sind die Gelenke abgenutzt. „Die Patienten haben nachts keine Schmerzen, aber beim Aufstehen oder nach einer langen Autofahrt“, erläutert Stefan Schewe. Morgens gehe es ihnen gut, zum Abend hin schlechter, ergänzt Hanns-Martin Lorenz.

Was hier hilft: Muskeln trainieren, um die Gelenke zu entlasten. Zudem gibt es medikamentöse Behandlungsansätze und je nach Schwere der Arthrose auch verschiedene Operationsmöglichkeiten.

Was sind die Auslöser von Rheuma und gibt es Risikogruppen?

Sowohl bei Arthrose als auch bei rheumatoider Arthritis können Schübe auftreten. Arthrose-Patienten hätten häufig Probleme bei nass-kaltem Wetter und merkten Wetterumschwünge deutlich, so Lorenz. In diesem Fall helfe Wärme – beispielsweise, in dem man die Hände in warmes Wasser hält. Die Arthritis ist wetterunabhängig – hier hilft dem Experten zufolge eher Kälte, da sich die Gelenke warm anfühlten.

Wer hat ein erhöhtes Risiko für Rheuma?

„Rheumatoide Arthritis kann man in jedem Lebensjahr bekommen“, sagt Stefan Schewe. Es gebe eine genetische Veranlagung, aber es sei keine Erbkrankheit, ergänzt Edmund Edelmann. Raucher und Frauen seien etwas häufiger betroffen, sagt Hanns-Martin Lorenz.

Prävention ist laut den Ärzten nicht möglich. Es sei jedoch eine gute Prophylaxe, nicht zu rauchen und Übergewicht zu vermeiden.

Welche Medikamente helfen gegen Rheuma?

Rheumatoide Arthritis ist mit Medikamenten behandelbar. Wichtig ist eine frühzeitige Therapie. Häufig kommen heutzutage sogenannte Biologika zum Einsatz. „Damit lässt sich die Krankheit gut aufhalten, heilbar ist sie aber nicht“, führt Rheumatologe Edelmann aus. Diese Medikamente heißen Biologika, weil sie auf biologischem Weg hergestellt werden, etwa über Bakterienkulturen, wie Stefan Schewe erklärt. Sie können Entzündungsstoffe im Körper blockieren.

Cortison wird bei bestimmten Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis eingesetzt, weil es schnell und wirksam die Entzündung unterdrücken kann. „Es hat aber sichere Nebenwirkungen, deshalb kann es nur für kurze Zeit eingesetzt werden“, sagt Hanns-Martin Lorenz. Anschließend werde die Dosis reduziert und das Cortison dann abgesetzt beziehungsweise ersetzt.

Hilft Sport gegen Rheuma?

Neben Medikamenten ist bei vielen Rheuma-Formen Bewegung entscheidend. Ob Schwimmen, Laufen oder Radfahren: „Es gibt nicht die eine Sportart, die besonders gut geeignet ist“, sagt Stefan Schewe. Zur Physiotherapie kommen häufig Ergo- und Psychotherapie dazu. Auch eine Selbsthilfegruppe kann dazu beitragen, Erfahrungen auszutauschen, sich Tipps zu holen und so besser mit der Krankheit umgehen zu können. Betroffene finden etwa in den Landesverbänden der Deutschen Rheuma-Liga erste Anlaufstellen.

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst