Gesundheit / 24.10.2019

Vorsorgeuntersuchungen: Der Blick auf das Ungeborene

Für werdende Mütter gibt es zahlreiche Vorsorgeuntersuchungen. Manches zahlt die Kasse, anderes nicht. Was verrät welche Untersuchung?

Bild zum Thema Vorsorgeuntersuchungen: Der Blick auf das Ungeborene. – Schwangere Frau liegt auf einem Bett und lächelt.

Bonn/Tübingen (dpa/tmn). Die Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft können in ihrer Vielfalt für werdende Mütter verwirrend sein. Manches macht der Frauenarzt, anderes ein Spezialist. Nicht alles zahlt die Krankenkasse, manches aber schon – und manches auch nur manchmal. Ein kleiner Überblick:

Von Diabetes bis Ultraschall

Die Mutterschafts-Richtlinien legen in Deutschland fest, worauf gesetzlich versicherte Schwangere einen Anspruch haben. Hierzu gehören etwa ein HIV-Test, ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes oder auch Untersuchungen, um Blutgruppenunverträglichkeiten zwischen Mutter und Kind festzustellen.

Außerdem sind drei Ultraschalluntersuchungen beim Frauenarzt vorgesehen: zwischen der 8. und 12. Schwangerschaftswoche, zwischen der 18. und 22. Woche und zwischen der 28. und 32. Woche. Die Untersuchungen erlauben Messungen des Körpers oder auch die Beurteilung der Herzaktivität des Fötus.

Bei der Untersuchung um die 20. Woche können Schwangere zwischen zwei Varianten wählen: einem Basis-Ultraschall und einem erweiterten Ultraschall, der mehr Daten erfasst. Frauenärzte müssen für diese Version speziell weitergebildet sein.

Feindiagnostik zum Erkennen von Fehlbildungen

Das medizinische System in Deutschland hält allerdings noch genauere Ultraschalluntersuchungen bereit: allen voran die sogenannte Feindiagnostik zwischen der 18. und 22. Woche. Diese führt ein Pränatalmediziner durch. Das ist ein Frauenarzt, der Weiterbildungsstufen der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) aufweist – in der Regel die Stufe DEGUM II oder DEGUM III. Körper, Gehirn und Organsysteme des Kindes werden dabei sehr genau betrachtet.

„Bestimmte schwere Fehlbildungen, etwa einige Herzfehler, müssen beim erweiterten Ultraschall nicht zwingend erkannt werden, werden aber während der Feindiagnostik mit großer Sicherheit gefunden“, erklärt Prof. Annegret Geipel. Sie ist Leiterin der Abteilung Pränatale Medizin am Universitätsklinikum Bonn.

„Wenn solche Störungsbilder früh erkannt werden, kann man beispielsweise die Geburt in einem Perinatalzentrum planen, in dem Spezialisten sich um das Neugeborene kümmern“, sagt Geipel. Wer nicht aufgrund von Auffälligkeiten überwiesen wird, muss die Feindiagnostik selbst bezahlen – 200 bis 300 Euro kostet das.

Die Frage nach dem Down-Syndrom

Selbstzahler können zudem schon vorher, um die 12. Woche, das sogenannte Ersttrimesterscreening wahrnehmen. Kostenpunkt: etwa 200 Euro. Bei dieser Ultraschalluntersuchung kann durch die Messung der Nackenfalte des Ungeborenen in Kombination mit Blutwerten der Mutter das Risiko für Trisomie 21, das Down-Syndrom, ermittelt werden. Die Nackenfalte gibt auch Hinweise auf weitere Störungsbilder.

Zunehmend klären Ärzte die Frage nach dem Down-Syndrom oder den Trisomien 13 und 18 aber auch mit einem Bluttest – dem NIPT (nicht-invasiver pränataler Test). Er könnte nach langer politischer Diskussion bald Kassenleistung werden und beruht auf der Untersuchung von Erbmaterial des Kindes aus einer mütterlichen Blutprobe. Erweiterte Versionen des NIPT können auch das Risiko für andere chromosomale Störungen erfassen – etwa das Turner-Syndrom. Die Kosten liegen bei etwa 300 bis 400 Euro.

Bluttest-Alternative ist riskanter

„Der NIPT ist kein Diagnoseverfahren, sondern nur eine Risikoanalyse“, sagt Prof. Karl Oliver Kagan, Experte der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und Leiter der Abteilung Pränatale Medizin am Universitätsklinikum Tübingen. Insbesondere für die Trisomien gilt der Test aber als sehr zuverlässig.

Im eigentlichen Sinne diagnostiziert werden können Chromosomenstörungen nur durch die Fruchtwasseruntersuchung und die Chorionzottenbiopsie. Diese beiden Punktionen, für die ein dünnes Instrument durch die Bauchdecke der Schwangeren geführt wird, sind aber mit einer – wenn auch geringen – Gefahr für eine Fehlgeburt verbunden. Die Kassen ermöglichen sie bei bestimmten Risiken. Sie sind nach der 16. beziehungsweise 12. Woche möglich – der NIPT dagegen schon ab der 10. Woche.

Pränatalmediziner Kagan empfiehlt Frauen, die den NIPT wahrnehmen wollen, ihn immer mit einer guten Ultraschalldiagnostik zu kombinieren. So lassen sich Fehlbildungen, die unabhängig von Chromosomenstörungen auftreten, ebenfalls erkennen.

Toxoplasmose und Streptokokken

Neben Fehlbildungen können auch Infektionskrankheiten Ungeborene gefährden – etwa die Toxoplasmose und die Zytomegalie. Ob eine Frau schon zu Beginn der Schwangerschaft gegen sie immun und damit geschützt ist, lässt sich mit Hilfe ihres Blutes feststellen.

Wer nicht immun ist, kann das eigene Blut während der Schwangerschaft wiederholt auf frische Infektionen untersuchen lassen – und im Erkrankungsfall Medikamente nehmen. Die Kosten für Immunitätstest und Kontrollen liegen bei jeweils etwa 15 bis 20 Euro.

Selbstzahler können zudem für etwa 20 Euro einen Scheidenabstrich auf B-Streptokokken durchführen lassen. Werden die Bakterien bei der Mutter festgestellt, kann sie während der Geburt ein Antibiotikum über einen Tropf erhalten. Das verhindert die Übertragung auf das Kind. „Ich halte diese Untersuchung für sehr wichtig und empfehle sie meinen Patientinnen immer“, sagt Prof. Dieter Grab, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin (DGPGM).

Mehr Leistung auf Anfrage

Der Berufsverband der Frauenärzte weist darauf hin, dass fast alle Krankenkassen viele der ärztlichen Selbstzahlerleistungen übernehmen – auf Anfrage. Viele Kassen bieten Patientinnen auch ein festes Budget, das mit Vorsorgeuntersuchungen ausgeschöpft werden kann. Angesichts dieser Situation hilft Frauen vor allem eins: gut informiert zu sein – um eine individuelle Entscheidung für sich und ihr Kind zu treffen.

Autor

 Deutsche Presseagentur