Rente / 08.11.2019

Vorzeitige Rente: Beliebt, hilft aber nicht allen

IAQ-Studie zeigt, wie sich die schrittweise Anhebung der Altersgrenze auf 67 Jahre auf den Rentenzugang auswirkt.

Bild zum Beitrag "". Das Bild zeigt einen älteren Arbeiter in einer Fabrikhalle an der Maschine.

Duisburg/Essen (iaq/sth). Die einen gehen regulär in Rente, die anderen treten so früh wie möglich in den Ruhestand und nehmen dafür auch Abschläge in Kauf. Zwischen diesen beiden Extremen bewegt sich der Renteneintritt von Arbeitnehmern und versicherungspflichtigen Selbststädigen in Deutschland. Die Details der aktuellen Entwicklung zeigt der neue Altersübergangsreport des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen.

Die Studie untersucht, wie sich die schrittweise Anhebung der Altersgrenze auf 67 Jahre auswirkt. Im Jahr 2017 ging demnach mehr als jeder zweite Neurentner vor dem 65. Lebensjahr in den Ruhestand, wie es unter Berufung auf Analysen der Deutschen Rentenversicherung heißt. Die Ruhrgebietsforscher sehen diesen Befund kritisch: „Die Anhebung der Regelaltersgrenze fördert die Polarisierung im Rentenzugangsalter und verschärft in der Folge die soziale Ungleichheit im Alter", folgert IAQ-Forscher Arthur Kaboth. „Denn wer vorzeitig in Rente geht, weil er oder sie beispielweise durch gesundheitliche Einschränkungen oder fehlende Erwerbsperspektiven quasi dazu gezwungen ist, muss geringere Rentenanwartschaften und Abschläge akzeptieren. Das bedeutet: mit weniger Geld auskommen.“

Fast jede vierte 2017 begonnene Rente mit Abschlägen belegt

Zwar erfreut sich die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte – die sogenannte Rente ab 63 – insbesondere bei Männern großer Beliebtheit (36,2 Prozent). Auch Frauen gehen mittlerweile häufiger auf diesem Weg in den Ruhestand (27,1 Prozent). Dennoch sei fast jede vierte im Jahr 2017 begonnene Altersrente mit Abschlägen in Anspruch genommen worden, so die beteiligten Wissenschaftler.

„Das zeigt, dass der vorzeitige Renteneintritt nach wie vor attraktiv und für bestimmte Personen notwendig ist und alle rentenrechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft werden“, stellt IAQ-Rentenexperte Martin Brussig fest. Auf der einen Seite nähmen Übergänge in Rente aus stabiler Beschäftigung zu und spiegelten somit auch die in den vergangenen Jahren verbesserte Arbeitsmarktsituation Älterer wider. Andererseits erreichten die verbesserten Chancen aber nicht alle Versicherten. Nach wie vor gehe ein erheblicher Anteil aus Langzeitarbeitslosigkeit in den Ruhestand, heißt es in der Studie.

Mehr zum Thema:

www.iaq.uni-due.de

Altersübergangsreport 2/2019 des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ)