Rente / 27.03.2019

Vorzeitige Rente ohne Abschläge gefragt

Zeitung: Weit mehr als 100.000 Rentenversicherte erkundigten sich im Jahr 2018 nach der Möglichkeit von Ausgleichszahlungen.

Hände halten mehrere Euro-Geldscheine in die Luft über einem Taschenrechner. – Bildnachweis: gettyimages.de © OlegGr

Bad Homburg (sth). Viele Arbeitnehmer haben offenbar kein Interesse daran, bis zu ihrer persönlichen Altersgrenze im Beruf zu bleiben. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ließen sich allein 2017 mehr als 116.000 Beschäftigte bei der Deutschen Rentenversicherung darüber beraten, wie sie vorzeitig ohne Abschläge in Rente gehen können; zwischen Januar und Oktober 2018 (Zahlen für November und Dezember liegen noch nicht vor) gab es demnach mehr als 100.000 Beratungsgespräche in diese Richtung. Seit 2017 können Rentenversicherte bereits ab dem 50. Lebensjahr – statt zuvor ab 55 – freiwillige Sonderzahlungen an die Rentenkassen leisten, um zum Beispiel schon mit 63 oder 64 Jahren statt ab der sogenannten Regelaltersgrenze die volle Rente zu erhalten.

Auf einen Schlag dürften sich allerdings die wenigsten die für eine abschlagsfreie vorgezogene Rente anfallenden Kosten leisten können, wie die folgenden Beispiele zeigen. Darum sind auch jährliche oder zweimal jährliche Sonderzahlungen möglich. Beispiel 1: Wer 1958 geboren ist, kann regulär ab 66 Jahren den Ruhestand mit vollen Altersbezügen genießen. Beschäftigte dieses Jahrgangs, die die für eine vorgezogene Altersrente erforderlichen 35 Versicherungsjahre erreicht haben – dazu zählen u.a. auch Zeiten der Schul- und Hochschulausbildung sowie der Kindererziehung bis zum 10. Geburtstag des jüngsten Kindes –, können aber auch zum Beispiel mit 63 in Rente gehen. Bei einer regulär erwarteten Bruttorente von 1.000 Euro betragen die Ausgleichskosten für einen um drei Jahre vorgezogenen Rentenbeginn mit vollen Bezügen derzeit knapp 27.400 Euro.

2,5 Jahre vorzeitige Rente können ein Mittelklasse-Auto kosten

Beispiel 2: Ein Arbeitnehmer des Jahres 1961 mit überdurchschnittlichem Gehalt (zum Beispiel derzeit 46.700 Euro Jahresbrutto und im Schnitt 1,2 Entgeltpunkten Rentenanspruch pro Erwerbsjahr) kann nach 36,5 Arbeitsjahren regulär mit 66 Jahren und sechs Monaten und mit einer Bruttorente von 1.400 Euro in den Ruhestand treten. Die Rente ab dem 64. Geburtstag – also 2,5 Jahre vorzeitig – kostet ihn momentan aber bereits etwa 31.400 Euro. Dafür kann man auch schon ein Fahrzeug der Mittelklasse bekommen.

Doch die derzeit attraktiven Bedingungen – einerseits niedrige Zinsen auf Bankguthaben, zum anderen eine Rendite auf Rentenbeiträge von etwa drei Prozent – lassen viele Menschen, die jetzt oder in den kommenden Jahren das 60. Lebensjahr erreichen, zum Taschenrechner greifen. Wer so gesund ist, dass er voraussichtlich noch 20 Jahre oder mehr im Ruhestand erwarten kann, macht mit den Sonderbeiträgen an die Rentenversicherung nichts falsch. Zumal die auch künftig zu erwartenden regelmäßigen Rentenerhöhungen in die Tabellen für die Ausgleichszahlungen nicht eingerechnet sind. "Dennoch sollte jeder Versicherte vor einer Langfrist-Investition in seine Rente eine Beratung der Rentenversicherung in Anspruch nehmen", empfiehlt Jochen Müller von der Deutschen Rentenversicherung Rheinland.

Mehr zum Thema:

www.deutsche-rentenversicherung.de

Link zu weiteren Informationen über die Vorteile von Sonderbeiträgen an die Rentenversicherung

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Autor

Stefan Thissen