Gesundheit / 16.03.2022

Wann Vitaminpillen gefährlich werden können

Vitaminpräparate sind beliebt, doch Experten warnen vor einer Überdosierung bei bestimmten Mitteln.

Wann Vitaminpillen gefährlich werden können.

Frankfurt/Berlin (dpa). Sie sollen das Immunsystem unterstützen oder die Knochen stärken, manche Hersteller versprechen sogar Schutz vor Corona oder Heilung von Krebs: Vitaminpräparate erleben Marktstudien zufolge einen Boom. Seit Beginn der Pandemie greifen immer mehr Menschen zu solchen Produkten. Nicht immer ist das nur Geldverschwendung – es kann auch gefährlich werden.

Ein Drittel der Bevölkerung nimmt mindestens einmal pro Woche Vitamine als Nahrungsergänzungsmittel ein, wie eine repräsentative Befragung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zeigt. Jeder oder jede Sechste nimmt sogar täglich Pillen oder Pulver mit Vitaminen.

Bestenfalls nur „teurer Urin“

Dabei ist das meist völlig unnötig: „Bei einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung erhält der Körper fast alle Vitamine in ausreichenden Mengen. Nahrungsergänzungsmittel sind für die meisten Menschen verzichtbar“, sagt BfR-Präsident Andreas Hensel. „Wer hoch dosierte Vitamine einnimmt, ohne dass es nötig ist, riskiert eine Überversorgung und damit unerwünschte Auswirkungen auf die Gesundheit.“

Im besten Fall produziere man durch die unnötige Einnahme von Vitaminen „teuren Urin“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Wiebke Franz von der Verbraucherzentrale Hessen. Im schlimmsten Fall schade man seiner Gesundheit. Die Behörden prüfen Nahrungsergänzungsmittel – beispielsweise Vitaminpräparate – nicht wie Arzneimittel auf ihre Sicherheit und Qualität, bevor sie auf den Markt kommen. So kommt es bei diesen Pillen und Pulvern immer wieder zu Verunreinigungen.

Vorsicht bei Vitamin A, C und D

Im Auge haben müsse man auch mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten: Betacarotin, eine Vorstufe zu Vitamin A, könne bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko erhöhen. Auch eine Überdosierung sei „nicht unbedenklich“, sagt Franz. Zu viel Vitamin D könne etwa zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Nierenverkalkung führen. Sehr lange zu hohe Einnahme von Vitamin C könne zu Blasen- und Nierensteinen führen.

Manchmal werde eine Überdosierung auch gar nicht erkannt, erklärt Franz: Denn zu den Pillen und Pulvern kommen noch die Mengen, die wir natürlich über die Nahrung zu uns nehmen oder die in mit Vitaminen angereicherten herkömmlichen Nahrungsmitteln stecken. Dass dafür keine Höchstmengen definiert sind, kritisieren Verbraucherschützer seit Jahren.

„Deutschland ist kein Vitaminmangelland. Die überwiegende Zahl der Menschen ist hierzulande mit Vitaminen ausreichend versorgt“, betont die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Nur in Ausnahmefällen wird die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln empfohlen, beispielsweise in der Schwangerschaft, nach einer Chemotherapie, bei sehr alten Menschen oder bei ausschließlich veganer Ernährung.

Schützt Vitamin D vor Corona?

„Dass einige Nahrungsergänzungsmittel wie etwa Produkte aus Kombinationen der Vitamine A und D oder auch Vitamin C 2020 einen Boom erfuhren, dürfte mit der Covid-19-Pandemie zusammenhängen“, sagt Thomas Heil, Vice President Consumer Health bei IQVIA. „Verbraucher versprachen sich durch die Einnahme der Präparate einen gewissen Infektionsschutz.“

Fachleute winken ab: Es seien „keine Studien bekannt, die belegen, dass die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten vor einer Infektion mit diesem Virus bzw. vor der Auslösung der Erkrankung schützt“, heißt es beim Bundesinstitut für Risikobewertung. „Bei Personen mit adäquatem Vitamin-D-Status ist bisher nicht nachgewiesen, dass die Einnahme eines Vitamin-D-Präparates einen diesbezüglichen Zusatznutzen hat“, sagt das Robert Koch-Institut.

Wiebke Franz von der Verbraucherzentrale Hessen warnt davor, den Gesundheits- und Heilversprechen der Hersteller und Vertreiber Glauben zu schenken. Vor allem im Internet und Direktvertrieb würden Vitamine als vermeintliche Wundermittel angepriesen. „Die Anbieter versprechen eine gesundheitliche Wirkung oder sogar Heilung – damit täuschen sie den Verbraucher.“

Autor

 Deutsche Presseagentur