Gesundheit / 19.09.2018

Warum Bio Lebensmittel oft die bessere Wahl sind

Nicht nur aus Nachhaltigkeits-, Umwelt- oder Tierschutzgründen lohnt es sich auf Bio-Lebensmittel zu setzen, sie bieten auch gesundheitliche Vorteile

Berlin/Hannover (dpa/tmn). Die ökologische Landwirtschaft steht für einen respektvollen und nachhaltigen Umgang mit der Natur. Und biologisch erzeugte Lebensmittel haben den Ruf, gesünder zu sein als konventionelle Produkte. Aber stimmt das?

Pauschal könne man das nicht sagen, meint Brigitte Ahrens von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. "Ob ein Lebensmittel gesünder ist als ein anderes, hängt von vielen Faktoren ab." Dazu zählen bei Obst und Gemüse zum Beispiel die Sorte, die Sonneneinstrahlung, der Anbauort und die Belastung mit Pestiziden.

Bestimmte Bio-Lebensmittel enthalten mehr gesunde Nährstoffe

Auch bei Fertigprodukten können Verbraucher nicht davon ausgehen, dass Bioware grundsätzlich weniger Fett oder Zucker enthält und damit gesünder ist. In mancher Hinsicht punkten Biolebensmittel aber im Vergleich zu konventionellen Produkten.

Zum Beispiel können Lebensmittel in Bioqualität mehr gesunde Nährstoffe enthalten. So gibt es bei Milch einen Unterschied zwischen Bio und anderer Ware: "In Biomilch ist deutlich mehr Omega-3-Fettsäure enthalten", sagt Ahrens. Diese mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind unter anderem wichtig für ein gesundes Herz. Der Grund für diesen Unterschied liegt in der Fütterung der Tiere: Konventionell gehaltene Kühe erhalten mehr Kraftfutter als Tiere in biozertifizierten Betrieben mit Weidefütterung.

Mehr gesunde Fette, weniger Wasser

Auch Fleisch aus Ökohaltung enthält deshalb eine ernährungsphysiologisch günstigere Zusammensetzung an Fetten, vor allem wenn die Tiere viel Auslauf haben.

In Bioäpfeln und -kartoffeln stecken ebenfalls mehr Nährstoffe als in herkömmlich Angebautem. Das liegt daran, dass sie weniger Wasser enthalten, erklärt Britta Klein vom Bundeszentrum für Ernährung. Sie liefern beispielsweise etwas mehr Vitamin C und sind deutlich reicher an sekundären Pflanzenstoffen, die vor Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen sollen.

Bio enthält weniger Pestizide

Die Frage ist jedoch: Sind diese Nährstoffunterschiede für den Menschen überhaupt relevant? "Darüber gibt es noch keine ausreichenden Kenntnisse", sagt Nicole Merbach von der Stiftung Warentest. Denn es fehlen Langzeitstudien, die den Gesundheitszustand von Menschen, die sich mit Biolebensmitteln ernähren, und denen, die sich konventionell ernähren, vergleichen.

"Ein riesiger Vorteil von Obst und Gemüse aus Bioanbau ist jedoch die geringe Belastung mit Pestiziden", sagt Merbach. Konventionelle Produkte sind dagegen fast immer mit Rückständen belastet: So wurden bei der jährlichen Untersuchung des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Stuttgart für das Jahr 2017 bei 96 Prozent der Frischobst-Proben aus konventionellem Anbau Rückstände von Pestiziden festgestellt.

Nitratgehalt in der Regel niedriger

Die gesetzliche festgesetzten Höchstgrenzen überschritten 7 Prozent der Proben. In Biobetrieben ist die Nutzung von Pflanzenschutzmitteln dagegen stark reglementiert, so dass die Erzeugnisse – wenn überhaupt – nur sehr gering belastet sind.

Auch beim Nitratgehalt kann Gemüse von Ökofeldern punkten, denn der ist in der Regel niedriger. "Aus Nitrat können beim Kochen oder im Körper krebserregende Nitrosamine entstehen", sagt Britta Klein. Der Nitratgehalt von Salat oder Gemüse ist allerdings nicht nur von der Art des Anbaus abhängig, sondern auch von weiteren Faktoren.

Auch Bio ist durch Schadstoffe verunreinigt

Vor der Verunreinigung durch Schadstoffe sind allerdings auch Bioprodukte nicht gefeit. Kritische Substanzen wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Schimmelpilzgifte oder Mineralölrückstände fand die Stiftung Warentest auch in Ökoprodukten.

Bei einem aktuellen Test von Sojadrinks trugen sogar alle stark mit Nickel belasteten Getränke ein Biosiegel. Ob man Bioprodukte kaufen möchte oder nicht, hängt auch ein bisschen davon ab, was man mit den Lebensmitteln machen möchte.

Nur Schale von Bio-Zitrusfrüchten sollte verzehrt werden

Wer von der Zitrone nur den Saft braucht, ist mit einer herkömmlichen Frucht gut bedient. Wer dagegen die Schale verwenden will, sollte aus Gesundheitsgründen auf Bioprodukte zurückgreifen.

Denn bei konventionellen Zitrusfrüchten kommen neben Pestiziden auch Schalenbehandlungsmittel zum Einsatz. Manche dieser Mittel sind umstritten, erklärt Klein. Dazu gehören unter anderem E 912, das aus Braunkohle extrahiert wird, und die Fungizide Imazalil, Orthophenylphenol und Natrium-Orthophenylphenol. Diese sollten nicht verzehrt werden.

Ob konventionell oder Bio – vorher waschen ist Pflichtprogramm

Da sie während der Zubereitung von der Schale auf die Frucht übertragen werden können, gilt: Auch wer die Schale einer konventionellen Frucht nicht verwenden möchte, sollte sie vor dem Aufschneiden gründlich waschen.

Gründliches Waschen ist auch bei allen anderen Früchten ratsam, um Schmutz und andere unerwünschte Stoffe zu reduzieren – das gilt ebenso für Lebensmittel mit Biosiegel.

Nicht nur gesundheitliche Vorteile sprechen für Bio-Lebensmittel

"Das Schälen von Apfel und Birne sollte man sich dagegen überlegen: Dann gehen wertvolle Inhaltsstoffe verloren", sagt Ahrens.

Biolandbau hat letztlich aber nicht nur Auswirkungen auf den Nährstoffgehalt von Lebensmitteln und damit die Gesundheit jedes Einzelnen, sagt Britta Klein. Es gebe noch andere Gründe, die dafür sprechen: Denn ökologische Landwirtschaft schütze Gewässer, sorge für mehr Artenvielfalt und fruchtbare Böden.

Weitere Informationen:

www.cvuas.de

Die Untersuchungsämter für Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit Baden-Württemberg zu Rückstände und Kontaminanten in Frischobst aus konventionellem Anbau 2017

Autor

 Deutsche Presseagentur