Rente / 15.09.2021

Warum Rentner noch zur Arbeit gehen

Viele Menschen in der Generation 65 plus haben noch einen Job. Nun zeigt eine neue Studie: Das ist nicht nur eine Frage des Geldes.

Frau im Rentenalter arbeitet als Aushilfe in einem Supermarkt und räumt Regale ein.

München (). Immer mehr Rentner gehen einer Arbeit nach. Vielen scheint es dabei nicht in erster Linie um einen Zusatzverdienst zu gehen. Das legt eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) nahe. Darin kommt der IW-Arbeitsmarktexperte Holger Schäfer zu dem Schluss: „Die These, dass vor allem existenzielle Not Rentner dazu veranlasst, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, kann empirisch (…) nicht bestätigt werden.“

Warum Rentnerinnen und Rentner jobben, kann mehrere Gründe haben. Manche haben einfach Spaß an der Arbeit, wollen Kontakt zu anderen Menschen haben, andere brauchen einen Zusatzverdienst. IW-Forscher Schäfer versuchte nun herauszufinden, ob die Aufnahme einer Arbeit als Ruheständler mit einer sozialen Notlage zusammenhängt. Dafür wertete er Daten des Sozioökonomischen Panels von 2019 aus, einer jährlichen Befragung von 30.000 Personen in Deutschland.

Kein Bezug zur Höhe der Rente

Wäre nun Geldnot der Hauptgrund für eine Erwerbstätigkeit von Rentnern, müsste deren Rente als vorrangige Einkommensquelle im Alter eigentlich eher unterdurchschnittlich sein. Der IW-Studie zufolge ist bei der Rentenhöhe „zwischen Erwerbstätigen und Nichterwerbstätigen aber kein Unterschied erkennbar“. Auch sei „die Korrelation zwischen der Rentenhöhe und der Höhe des erzielten Erwerbseinkommens nahezu null“.

Ein starker Zusammenhang ist laut der Untersuchung jedoch bei der beruflichen Qualifikation festzustellen: So haben Erwerbstätige im Rentenalter häufiger einen höheren beruflichen oder akademischen Abschluss als nichtarbeitende Rentner. Erwerbstätige Rentner üben seltener körperlich belastende Tätigkeiten aus. Außerdem ist der Anteil der Selbständigen größer.

Beliebt sind unter den erwerbstätigen Rentnern Minijobs. So verdient etwa die Hälfte monatlich nur 450 Euro brutto oder weniger. Immerhin ein Viertel erhält als Zusatzverdienst mehr als 1800 Euro und die obersten zehn Prozent beim Einkommen sogar 4200 Euro und mehr. Im Durchschnitt liegt der Verdienst bei monatlich 1574 Euro.

Gewerkschaften widersprechen

Keine niedrigere Rente, aber höheres Nettoeinkommen als nichterwerbstätige Rentner – darin sieht IW-Forscher Schäfer ein Indiz, „dass für die Erwerbsbeteiligung nicht-pekuniäre Motive oder finanzielle Motive jenseits der Existenzsicherung ausschlaggebend sind.“ Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte hingegen kürzlich darauf hingewiesen, dass viele im Rentenalter als Reinigungskräfte, bei der Post oder in der Lagerwirtschaft arbeiteten. Dies deute darauf hin, dass finanzielle Probleme die Menschen dazu zwingen, noch einen Job anzunehmen. So argumentieren auch immer wieder Sozialverbände wie der VdK.

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Autor

Thomas Öchsner