Rente / 08.07.2020

Was die aktuelle Krise für die Rente bedeutet

DGB-Rentenexperte Ingo Schäfer erläutert, wie Löhne, Kurzarbeit und Renten zusammenhängen – und wie die Rentner daran beteiligt sind.

Das Bild zeigt einen Bleistift und einen Taschenrechner, die auf handgeschriebenen Berechnungen liegen.

Berlin/Düsseldorf (sth). Im vergangenen Jahr sind die Löhne und Gehälter der rund 34 Millionen rentenpflichtversicherten Beschäftigten und Selbstständigen deutlich gestiegen. Deshalb wachsen in diesem Jahr – trotz Corona-Krise – auch die Bezüge der 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner kräftig. Dieser einfache, aber gesellschaftlich dennoch erklärungsbedürftige Zusammenhang wurde in den vergangenen Wochen immer wieder über die Politik – und über die Medien – transportiert. Im Ergebnis hat diese wiederholte Klarstellung dazu geführt, dass es wegen des nur scheinbaren aktuellen Vorteils der Ruheständler zu keinem gesellschaftlichen Aufschrei kam.

Dennoch gab und gibt es immer wieder politischen Streit darüber, wie sich Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt, aktuell zum Beispiel die hohe Zahl von Kurzarbeitergeld-Beziehern, auf die gesetzliche Rentenversicherung und ihre Legitimität auswirken – und wer einen Vor- oder Nachteil aus der jeweiligen Entwicklung ziehen könnte. Der DGB-Rentenexperte Ingo Schäfer hat deshalb die verschiedenen Wechselwirkungen innerhalb des gesetzliche Rentensystems jetzt in einem Blogbeitrag für das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) bei der Hans-Böckler-Stiftung analysiert und erläutert. Fakten, die für künftige Rentendebatten eine gute Gesprächsgrundlage bilden könnten. 

Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Rentenversicherung

Auch die Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise auf die Finanzen der Rentenversicherung nimmt Schäfer in den Blick. "Kommen wir gut und rasch aus der Krise und die Kurzarbeitenden gehen bis 2021 wieder „voll“ an ihren Arbeitsplatz zurück, würden die Beitragseinnahmen wieder spürbar steigen", erklärt der DGB-Experte. "Die finanzielle Situation würde sich dann aufgrund der ausfallenden Rentenanpassung 2021 sogar vorübergehend entspannen. Die Finanzierung wäre dann auch ab 2022 ohne erhebliche Abweichungen vom bisherigen Pfad gesichert." Bei einer anhaltenden Krise würde sich das Einnahme-Ausgaben-Verhältnis in der Rentenversicherung aber ab 20222 "tatsächlich verschlechtern", räumt Schäfer ein. Allerdings würden dann auch die Rentenanpassungen deutlich gedämpft, "da der Nachhaltigkeitsfaktor 2022 die Rentenerhöhung ein weiteres Mal stark mindern würde".

Das Fazit des Gewerkschafters: Ihre Anpassungsfähigkeit sei "eine der zentralen Stärken der umlagefinanzierten gesetzlichen Rentenversicherung", so Schäfer. Damit sei sie "den kapitalgedeckten Systemen strukturell weit überlegen". Eine ausgewogene Sozialpolitik müsse deshalb "immer den Ausgleich heute wie auch in Zukunft im Blick haben", fordert der Rentenexperte. Die Beschäftigten sowie die Rentnerinnen und Rentner könnten dann "auch und gerade in der Krise auf die Solidität der Rentenversicherung vertrauen". Deshalb gelte es, "die Solidarität zu stärken und zu fördern".

Mehr zum Thema:

www.wsi.de (1)

www.wsi.de (2)

Erläuterungen (1) und weiterführende Hintergrundinformationen (2, pdf) zur aktuellen Situation der Rentenversicherung aus Sicht des DGB-Rentenexperten Ingo Schäfer

Autor

Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut