Finanzen / 11.12.2019

Weihnachtsshopping: Der Finanzen-Faktencheck

Die einen schwören aufs elektronische Zahlen, die anderen meinen, "echtes" Geld gibt sich weniger leicht aus. Was stimmt?

Das Bild zum Artikel "Weihnachtsshopping: Der Faktencheck" zeigt einen festlich geschmückten Weihnachtsbaum.

Berlin (dpa/tmn). Jungen Menschen, die noch nicht arbeiten, wird oft geraten, sie müssten ein Gefühl fürs Geld bekommen. Kann man Geld überhaupt fühlen? Gibt es einen Unterschied, ob man beim Zahlen Bargeld aus den Händen gibt oder eine Karte durch den Schlitz zieht? Ein Faktencheck.

So mancher behauptet: Wir geben mit Karte mehr Geld aus - zum Beispiel an Weihnachten. Das stimmt in den meisten Fällen. Denn Käufe fallen schwerer, wenn durch Scheine und Münzen physisch eine Wertigkeit hergestellt wird.

Weihnachtsgeschenke können ein teurer Spaß werden. Jeder Deutsche beabsichtigt laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young, dafür durchschnittlich 281 Euro auszugeben und damit fast genauso viel wie im Rekordjahr 2018 - da waren es 282 Euro. Ob der Schenkende über oder unter diesem Schnitt liegt, hängt von mehreren Faktoren ab: Ist das für den Kauf notwendige Geld bzw. der Kreditrahmen vorhanden? Ist der Käufer eher spendabel oder sparsam?

Dazu kommt laut Christoph Wahlen, Experte für Verhaltensökonomik: Zahlt man bar oder mit Karte? "Wir müssen einfach nicht so viel überlegen, weil wir nur eine Karte durchziehen", erklärt Wahlen, der in Hamburg, München und Darmstadt Führungs- und Fachkräfte schult. Das Gehirn des Menschen verbrauche auf diesem Weg weniger Energie, der Kauf falle somit leichter.

Diese These wird von Zahlen untermauert. In Deutschland wurden 2018 insgesamt rund 20 Milliarden Transaktionen getätigt. Davon waren laut Handelsforschungsinstitut EHI 15,2 Milliarden mit Bargeld und 4,6 Milliarden mit einer Karte. Die Verbraucher zahlten bei ihren Einkäufen gut 209 Milliarden Euro per Karte, erstmals mehr als bar mit gut 208 Milliarden Euro.

Verlustgefühl fehlt

Das heißt: Bei nur rund einem Viertel der Transaktionen wurde knapp die Hälfte des Geldes transferiert. Hinzu kommt: Beim physischen Bargeld spiele auch der Faktor Verlust eine Rolle. "Was nichts wiegt, ist nichts wert", heißt es im Volksmund.

Finanzexperte Wahlen erklärt: Weil Bargeld etwas wiegt, bedeute die Ausgabe immer eine Abgabe, die der Nutzer spürt. Beim Kartengeschäft ändert sich diesbezüglich erstmal nichts. Hinzu kommt: Das Konto wird erst zeitverzögert belastet. Wer Angst davor habe, in der Vorweihnachtszeit zu viel Geld auszugeben, könne sich auch bei Kartenzahlung einen Alarm einbauen, sagt Andreas Hackethal, Finanz-Forscher an der Frankfurter Goethe-Universität.

Teure Impulskäufe vermeiden

Eine Möglichkeit: Ab einem gewissen Limit, mit dem die Kreditkarte belastet wird, sendet das Kreditinstitut per Push-Meldung auf dem Handy eine Nachricht. In diesem Fall ist der Betrag vorgemerkt, ein eventueller Fehlkauf kann durch Rückgabe rückgängig gemacht werden.

Moderne Technik - wie das Bezahlen mit dem Smartphone - macht das Geldausgeben nach Worten des Finanz-Forschers "einfacher und komfortabler". Das Team von Hackethal hat dazu die anonymisierten Kontodaten einer repräsentativen Bank analysiert. Ergebnis: Beim sogenannten "Mobile Payment" wird häufiger und mehr gekauft. Nach Aktivierung geben Kunden im Schnitt über 80 Euro mehr pro Monat aus.

Für eine Kostenkontrolle in der Weihnachtszeit ist laut Hackethal ein alter Trick ratsam: Geschenke nicht sofort kaufen. Dafür sei auch der Onlinehandel geeignet. Wer etwas entdeckt, legt es als Erinnerung in seinen virtuellen Warenkorb. Und wer dann erstmal eine Nacht darüber schläft, vermeidet teure Impulskäufe, rät der Experte.

Weitere Informationen:

https://www.bitkom.org

Bitkom zum bargeldlosen Bezahlen http:// https://www.ey.com/de_de/news/2019/11/deutsche-bleiben-zu-weihnachten-spendabel

https://www.ey.com

Unternehmensberatung Ernst & Young zu Geschenkbudgets zu Weihnachten

https://www.ehi.org

EHI-Studie zu Karten- und Barzahlung

Autor

 Deutsche Presseagentur – Themendienst