Rente / 11.12.2018

Wenig Rente trotz langer Versicherungszeit

Studie: Auch lange Versicherungszeiten in der Rentenversicherung schützen nicht vor einer Niedrigrente wenn bestimmte Faktoren zusammenkommen.

Grübelnde Rentnerin am Tisch – Bildnachweis: wdv © J.Lauer

Bonn (mjj) Rund 20 Prozent der Versicherten in der gesetzlichen Rentenversicherung haben trotz langjähriger Versicherungszeiten nur geringe Rentenansprüche. Das zeigt eine neue, von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung geförderte Veröffentlichung. 90 Prozent sind Frauen. Die Gründe hierfür haben Prof. Dr. Martin Brussig und Lina Zink vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen mithilfe von Datensätzen der Deutschen Rentenversicherung und der Arbeitsagentur analysiert. 

Lange Kindererziehungszeiten - oft kombiniert mit Minijobs oder langen Teilzeitphasen - führen unter westdeutschen Frauen zu niedrigen Rentenansprüchen. Bei ostdeutschen Versicherten sind es vor allem lange oder wiederholte Phasen der Arbeitslosigkeit in den Jahren nach 1990 die sich negative auf die Rente auswirken.  

Hohes Armutsrisiko bei Zusammentreffen mehrerer Faktoren

Vor allem dann, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen, fallen Altersrenten gering aus. Dazu zählen zum Beispiel späte Berufseinstiege, Krankheitsphasen, Arbeitslosigkeit und Kindererziehungszeiten. "Diskontinuierliche Erwerbsbiografien" nennen die Wissenschaftler das Phänomen. 

Als Niedrigrenten definieren Brussig und Zink alle Renten, die nicht wenigstens zehn Prozent über dem Existenzminimum liegen. Die Grenze für langjährig Versicherte machen sie bei mindestens 30 Versicherungsjahren fest. Analysiert haben sie die Ansprüche der zwischen 1940 und 1947 geborenen Versicherten.

Wenig Rente bedeutet nicht zwangsläufig Altersarmut

Die beiden Autoren weisen aber auch darauf hin, dass geringe Ansprüche auf eine gesetzliche Rente nicht gleichzusetzen sind mit Altersarmut: "Wenn Ansprüche aus anderen Versorgungswerken bestehen, der Partner besser verdient hat oder Vermögen vorhanden ist, können auch Menschen mit kleiner Rente im Alter ihren Lebensstandard halten."

Da aber die gesetzliche Rente in vielen Fällen die Hauptsäule der Alterssicherung ist, schlagen sie Reformen vor: Aus ihrer Sicht helfen ein stärkerer sozialer Ausgleich in der gesetzlichen Rente sowie mehr und besser bezahlte Beschäftigung das Risiko für Altersarmut zu reduzieren. Für sinnvoll erachten es Lina Zink und Martin Brussig, wenn Teilzeitbeschäftigte ihre Arbeitszeit ausweiten könnten und wenn der Niedriglohnsektor eingedämmt wird. Parallel zur gesetzlichen Rentenversicherung neue kapitalgestützte Vorsorgeformen, etwa Aktiensparpläne, zu fördern, hält IAQ-Experte Brussig dagegen nicht für sinnvoll.

 

 

Mehr Informationen

www.iaq.uni-due.de

Die Studie im PDF-Format auf der Seite des Instituts Arbeit und Qualifikation

Autorenbild

Autor

Michael J. John