Rente / 11.03.2019

Weniger als 5 Prozent gehen vor 63 in Rente

Statistische Analyse: Vor 20 Jahren traten noch 57 Prozent der Beschäftigten zwischen 60 und 62 Jahren in den Ruhestand.

Frau und Mann vor einem Laptop – Bildnachweis: wdv © J.Lauer

Bad Homburg (sth). Die Anhebung der Altersgrenzen seit den 1990er-Jahren führt bei den Beschäftigten zu einem immer späteren Rentenbeginn. Wie aus aktuellen Analysen der Deutschen Rentenversicherung hervorgeht, waren im Jahr 2017 nur noch 4,3 Prozent der neu in den Ruhestand getretenen Rentner jünger als 63 Jahre. Dies dürften in erster Linie schwerbehinderte Menschen gewesen sein, die auch nach aktueller Rechtslage nach mindestens 35 Versicherungsjahren auf Wunsch – und mit Abschlägen – noch vor dem 63. Lebensjahr in Rente gehen konnten. Im Jahr 2010 waren noch fast 35 Prozent der Neurentnerinnen und -rentner zwischen 60 und 62 Jahre alt, vor 20 Jahren noch 57 Prozent. Eine Folge dieser Entwicklung ist auch die Steigerung des durchschnittlichen Rentenzugangsalters auf zuletzt 64,1 Jahre.

Grund für den im Schnitt immer späteren Start in die Rente sind nach Erkenntnissen der Rentenversicherer vor allem die Rentenreformen in den vergangenen beiden Jahrzehnten. Sie führten nicht nur zu einer schrittweisen Anhebung der Altersgrenzen, sondern auch zum Wegfall von zwei früher sehr beliebten Wegen in die Altersrente. So konnten Frauen bis zum Geburtsjahrgang 1951 bereits mit 60 in den Ruhestand treten – seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts allerdings nur noch mit hohen Abschlägen –, Arbeitslose und Arbeitnehmer in Altersteilzeit bis zum Jahrgang 1951 immerhin noch mit 63 Jahren (ebenfalls mit Abschlägen).

Die jetzt nur noch eingeschränkte Möglichkeit, zugunsten eines früheren Rentenbeginns auf einen Teil der vollen Rente verzichten zu können, hat der Analyse zufolge in den vergangenen Jahren auch zu im Schnitt deutlich geringeren Rentenabschlägen geführt. Während 2010 noch 47,5 Prozent aller in den Ruhestand getretenen Rentner – ganz besonders Frauen – ihre Rente mit Abschlägen in Kauf nahmen, waren es 2017 nur noch 23,3 Prozent. Entscheidend dazu beigetragen haben dürfte auch die Mitte 2014 in Kraft getretene "Rente mit 63": Mehr als 31 Prozent der Beschäftigten, die 2017 in Rente gingen, nutzten nach Erkenntnissen der Rentenstatistiker die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte als "Tor aus dem Berufsleben".

Mehr zum Thema:

www.deutsche-rentenversicherung.de

Link zu einer statistischen Analyse der Deutschen Rentenversicherung zum Verhalten der Versicherten auf dem Weg in die Altersrente

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Autor

Stefan Thissen