Finanzen / 24.05.2018

Weniger große Anschaffungen

GfK: Weltpolitische Risiken drücken auf die Verbraucherstimmung. Einkommenserwartungen bleiben gut, aber der Konsum wird gedämpft.

Nürnberg (dpa). Wachsende weltpolitische Risiken wie drohende US-Strafzölle schlagen zunehmend auf die Verbraucherstimmung in Deutschland durch.

Nach einem mehrjährigen Aufwärtstrend habe sich das Konsumklima inzwischen „mit Auf und Abs“ auf hohem Niveau stabilisiert, berichtete der Konsumforscher Rolf Bürkl bei der Veröffentlichung der GfK-Konsumklimastudie am Donnerstag in Nürnberg. Die Verbraucherstimmung bekam im Mai erneut einen leichten Dämpfer.

Die GfK-Studie basiert auf der monatlichen Befragung von rund 2.000 Verbrauchern in Deutschland.

Konsumklimaindex sinkt leicht

Zwar sei die Bereitschaft der Haushalte zu größeren Anschaffungen weiterhin groß, aber nicht mehr so ausgeprägt wie am Jahresanfang. Was die Konjunktur und das künftig von den Haushalten erwartete Einkommen angehe, blieben die Verbraucher aber weiterhin optimistisch.

Dennoch werde der Konsumklimaindex im Juni voraussichtlich um 0,1 Zähler auf 10,7 Punkte sinken, prognostizierte die GfK. Er liegt damit um 0,3 Punkte unter dem bisherigen Höchststand vom Februar. Anfang 2013 hatte der Wert noch bei 6 Punkten gelegen.

Geopolitische Lage könnte Verbraucherstimmung dämpfen

Die jüngsten Umfrageergebnisse zeigten, dass die deutschen Verbraucher die „Verschärfung der geopolitischen Lagen im Großen und Ganzen noch gelassen sehen“, betont die GfK.

Allerdings sei zum Zeitpunkt der jüngsten Befragung noch nicht klar gewesen, dass sich mit der künftigen Koalitionsregierung aus Fünf-Sterne-Partei und fremdenfeindlicher Lega in Italien eine europakritische Koalition abzeichne, räumte Bürkl ein.

Sollte die umstrittene Regierung in Rom tatsächlich zustande kommen, „könnte Italien größere Sprengkraft entfalten als andere Krisenherde“, sagte Bürkl der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn die geplante Regierung tatsächlich ihr Programm umsetzt, wird das zu einer Explosion der Verschuldung in Italien führen.

Das wäre eine Politik, die in eine neue europäische Finanzkrise hineinlaufen würde – in einigen Faktoren verschärfter als die in Griechenland“, warnte Bürkl. Denn Italien sei anders als Griechenland zu groß, um von der EU gerettet zu werden.

Für die Verbraucher in Deutschland werde Italien vor allen dann zum Thema, wenn als Folge solcher Krisenherde, zu denen auch die drohenden Strafzölle der USA gegenüber der EU zählten, deutsche Arbeitsplätze in Gefahr geraten. Das schlage dann meist sehr direkt auf die Verbraucherstimmung durch. Verunsicherte Haushalte würden dann geplante größere Anschaffungen auf später verschieben oder ganz darauf verzichten.

Bisher hätten die Verbraucher allerdings kaum auf solche geopolitischen Risiken reagiert. Die GfK hält daher weiter an ihrer Prognose fest, wonach der private Konsum in Deutschland 2018 um etwa zwei Prozent zunehmen wird.

Autor

 Deutsche Presseagentur